Anreise mit der Fähre nach Sizilien

Anreise mit der Fähre nach Sizilien

Viele Wege führen nach Sizilien, einer davon ist mit der Fähre von Genua aus. Wer im Süden von Deutschland lebt, oder für längere Zeit auf Sizilien bleiben möchte, für den ist es tatsächlich sinnvoll, mit dem Auto anzureisen.

Wer viel Zeit hat und Italien auch auf der Fahrt nach Sizilien noch etwas erkunden will, für den bietet es sich geradezu an, die ganze Strecke über Österreich oder der Schweiz kommend bis nach Sizilien mit dem Auto zu fahren. Es gibt hübsche Städtchen auf dem Weg und vieles, dass sich lohnt besucht zu werden.

Wer aber den direkten Weg wählt, der nimmt die Fähre über Genua. Es gibt verschiedene Anbieter, die von Genua aus nach Palermo fahren. Ich bevorzuge die GNV (Grande Navi Veloci), die boten bisher immer den günstigsten Preis und auch der Service an Bord ist nicht schlecht. Da ich in der Regel aber im Herbst oder Frühling fahre, bin ich noch nicht in den Genuss der Badelandschaft gekommen, die sich mitten auf dem Oberdeck befindet.

Anreise mit der Fähre nach Sizilien

Den Winter habe ich dieses Jahr in Deutschland verbracht. Von vielen Seiten habe ich mir anhören müssen, dass das ja total verkehrt herum wäre. Ich sollte lieber im Sommer in Deutschland sein und den Winter auf Sizilien verbringen.

Wer sich aber ein bisschen auskennt, der weiß, dass die Winter auf Sizilien nicht so besonders sind, vor allem die Monate Dezember bis Februar. Da ist es auch dort kalt und feucht. Kalt bedeutet tagsüber 10 – 15 Grad und nachts bis zu 3 Grad kalt. Die Kälte empfindet man als ziemlich unangenehm, da die Luftfeuchtigkeit so hoch ist und die Heizungen in den Häusern entweder schlecht funktionieren oder nicht vorhanden sind.

So habe ich also den Winter in einer himmlisch warmen Bude verbracht und dem Frühling auf Sizilien entgegen gesehen.

Vorbereitung in Zeiten einer Pandemie

Zuerst war zu klären, was benötige ich in solchen Zeiten wie sie jetzt sind, mit Pandemie und Politikern, die versuchen sich gegenseitig mit lähmenden Vorgaben zu übertrumpfen. Eine Wichtige Seite für Sizilien Reisende ist diese der italienischen Regierung. Diese Seite ist immer auf dem aktuellsten Stand.

Was man auf jeden Fall benötigt ist ein PCR-Test, der mindestens 48 Stunden Gültigkeit hat. Den bekommt man beim Hausarzt oder in einer Teststelle. Ich habe den beim Hausarzt bevorzugt, da mir dieser ausgedruckt wird und ich gleich mitnehmen kann. Bei den Teststellen kann die Übermittlung des Ergebnisses per SMS auch Stunden dauern. Die Zeit habe ich nicht, da ich direkt nach dem Test losfahre. Außer dem Test benötigt man noch eine „autodiclarazione“ und das ausgedruckte Ticket von GNV. Die „autodiclarazione“ ist eine Selbstauskunft, auf der steht, warum man diese Reise macht, außerdem muss die Heimatadresse und die Adresse in Italien angegeben werden.

Tag der Abreise

Viel Zeit zum verplempern habe ich nicht, denn die Anreise mit der Fähre nach Sizilien dauert alleine 20 Stunden und für die Anfahrt zur Fähre nach Genua muss ich ca. 6 Stunden einkalkulieren. Also Wohnung sauber hinterlassen, Auto packen und gesund fühlend, aber immer das Risiko eines positiven Testergebnisses im Nacken fahre ich zum Arzt. Zuerst muss ich noch mein Auto vom Schnee befreien, dass hat mir gerade auch noch gefehlt. Da war es nun wochenlang schneefrei, aber genau am Tag meiner Abfahrt schneit es, so ein shit!

Das Testergebnis ist wie erhofft negativ und schon geht es los. Ich nehme die Route San Bernardino, wo es übrigens weniger Schnee gibt, als an meinem Standort in Deutschland. Fahre dann weiter über Varese, Alessandria nach Genua. Die Strecke ist super ausgebaut, dreispurig und so gut wie kein Verkehr, außer ein paar Raser, LKWs und mich gibt es nicht viel.

Leider ist es ein stürmischer Tag. Die Luft ist trübe vom Staub und Sand und über den Autobahnen die Warnung vor dem Wind. Man merkt es deutlich beim fahren, das Auto schwankt. Vielleicht eine gute Übung für den Aufenthalt auf dem Schiff.

Endlich in Genua angekommen

Nach 6 Stündiger Fahrt komme ich in Genua im Hafen an. Hier möchte man meinen Pass sehen, die Autodiclarazione und das Testergebnis vom Arzt, dass bis dahin übrigens noch niemand sehen wollte, obwohl ich Österreich und die Schweiz betreten und wieder verlassen habe.

Die Polizei kontrolliert den Pass und die medizinische Aufsichtsperson den Coronatest. Er hat sich etwas mokiert, dass auf dem Testergebnis nicht „PCR-Test“ steht. Ich dachte schon, jetzt lässt der mich nicht weiter, aber das Wörtchen „negativ“ hat ihm dann schlussendlich doch gereicht. Mein Tipp an dieser Stelle, immer die Nummer des Personalausweises auf den Test schreiben lassen, auch wenn der eigene Name schon drauf steht.

Danach fahre ich ein paar Meter weiter zum nächsten Wärterhäuschen und erhalte auf Grund des ausgedruckten Tickets von GNV die Tickets, die nachher benötigt werden um sich einen Platz für das Auto auf dem Schiff zu sichern und für sich selbst in der Kabine oder das was man gebucht hat.

Anschließend fahre ich an den angegebenen Kai und stelle mich in einer Reihe auf. Da ich „priority“ gebucht habe, stehe ich in einer extra Reihe. Priority habe ich deshalb gebucht, erstens wollte ich mal den Vorteil gegenüber eines normalen Passagiers sehen, der ich bisher war und ich wollte auf keinen Fall wieder in den Bauch des Schiffes fahren müssen. Da finde ich es immer sehr erdrückend, laut und stinkig. Da Italiener nicht warten können bis sie an der Reihe sind gibt es obendrein immer noch ein mords Gedränge beim raus fahren, da habe ich keine Lust drauf.

Bummeln vor der Abfahrt

Bis es los geht habe ich noch genug Zeit um einen Bummel im angrenzenden Shoppingcenter zu machen. Über Fußwege, die über den Plätzen des gesamten Hafens führen, kann man bequem zum Center laufen. Wichtig ist hier, dass man die persönlichen Tickets bei sich trägt und seinen Ausweis. Beides braucht man nicht beim hinein kommen, sondern beim wieder betreten des Hafens. Könnte also problematisch werden, wenn beides im Auto geblieben ist.

Inzwischen ist es Zeit für ein kleines Abendessen. Normalerweise sollte das Schiff um 19:30 Uhr ankommen. Es kommt aber erst eine Stunde später an. Die Autos und LKWs die mit dem Schiff ankommen, sind schnell draußen, aber wir Prioritys warten sage und schreibe drei Stunden, bis wird endlich als Letzte aufs Schiff fahren dürfen. Immerhin dürfen wir oben auf dem Deck parken, so dass ich hoffentlich als eine der Ersten wieder runter fahren darf. Inzwischen ist es fast Mitternacht und ich hoffe auf eine saubere Kabine.

Meine Kabine

Das Thema Sauberkeit ist auf diesen Schiffen leider immer ein Problem. Zumindest für mich. Es wird nur oberflächlich geputzt, dass heißt ein frisches Laken und frische Handtücher und der Rest bleibt wie er war. Vermutlich wird mit dem Staubsauger noch kurz über den Teppich gefahren und fertig ist die Kabine für den nächsten Gast. Aber was will man erwarten, kurz vor Ankunft des Schiffs im Hafen wird aus einem Seemann oder einem Barkeeper eine Putzfrau.

Da ich nicht das erste Mal mit dem Schiff fahre, habe ich mich entsprechend vorbereitet. In meinem Koffer befindet sich eine Flasche Desinfektionsspray*, eine Decke*, ein Laken*, ein Handtuch* und eine Jogginghose zum schlafen. Ich finde es in den Kabinen immer schrecklich kalt. Die Klimaanlage wird zentral gesteuert, das einzige was man selbst steuern kann ist die Stärke des Ventilators, aber nicht die Höhe der Temperatur.

Die Schiffe sind je nach Größe auch mit Schwimmbad ausgestattet. Bars, ein Restaurant, einem kleinen Laden, ein Spielzimmer für Kinder und gaaaanz vielen Sitzmöglichkeiten. Wer seinen Hund mitbringen will, der hat sogar einen Zwinger für den Hund, da dieser nicht mit in die Kabine darf. Aber mit ihm kann man sich sehr wohl in den anderen öffentlichen Räumlichkeiten aufhalten.

Wer keine Kabine bucht, der kann sich einen Schlafsessel buchen. Die stehen in einem extra Abteil und erinnern an ein Kino ohne Leinwand. Da stehen die Sessel in Reih und Glied, ohne Privatsphäre oder sonstigem Schnickschnack. Ich kann gar nicht verstehen wer so was bucht, denn wesentlich günstiger als eine Kabine ist ein Schlafsessel auch nicht. Ich habe eine 4er Kabine gebucht und habe sie für mich alleine.

Den Tag vertrödeln

Da es auf dem Schiff kein Internet gibt, außer dem von GNV angebotenen und das auch nur auf der „Suprema“, kann man sich die Zeit mit lesen*, Schiff erkunden, essen, trinken und schlafen vertrödeln.

Die Überfahrt ist nicht besonders ruhig ziemlicher Wellengang. Nachts bin ich fast aus dem Bett gefallen, so stark war der Seegang. Daher verbringe ich den Tag hauptsächlich damit, dass ich das Badezimmer* aufsuche.

Die Durchsage informiert uns, dass das Schiff um 20 Uhr in Palermo ankommen wird und wir die Kabinen bis 17:45 Uhr zu verlassen haben. Gesagt, getan. Je nachdem wo man geparkt hat, muss man in einem anderen Bereich warten. Da sitze ich nun, kämpfe hin und wieder noch mit Übelkeit und glotze* zum Fenster raus, in der Hoffnung endlich Land zu sehen.

Plötzlich wird mein Name ausgerufen. Ich denke, ach du Schreck, sicher ist was mit meinem Auto, kaputt oder so. Also gehe ich zur Information und melde mich. Die Dame sagt, sie will sicher sein, dass ich auch da bin, denn ich bin ein Priority! Aha, also wirklich, so wichtig habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Endlich ist Palermo in Sicht und nach einer gefühlten Ewigkeit dürfen wir Priorities als erstes zu den Autos, wir sind nur drei Autos mit Priority. Tatsächlich sind wir die Ersten die das Schiff verlassen dürfen, da drüber bin ich echt froh.

Noch eine Überraschung

Beim raus fahren denke ich noch, nix wie weg hier. Aber kaum fertig gedacht, da werde ich schon wieder angehalten. Mir werden ein paar Zettel in die Hand gedrückt die ich aber sofort auf dem Beifahrersitz verstaue und weiter fahre.

Nach ein paar Metern werde ich ein weiteres Mal angehalten. Eine Frau fragt mich, ob ich die Zettel ausgefüllt habe. Natürlich nicht, ich habe sie noch nicht einmal angeguckt, schließlich ist es schon stockdunkel. Ich soll doch bitte rechts ran fahren und die Zettel ausfüllen. Also Brille raus, einen Stift suchen und ausfüllen. Kaum fertig kommt schon einer mit einem PCR-Test in der Hand an und zack, bohrt er sich auch schon über meine Nase in den Hals.

So stehe ich wieder einmal in einer Reihe und warte auf das Ergebnis und wieder einmal bin ich froh, dass ich Priority gebucht habe. Denn alle anderen die nach uns das Schiff verlassen haben einschließlich der LKW-Fahrer, stehen alle hinter uns in einer langen Schlange und warten bis sie an der Reihe sind. Das Geld für Priority war wirklich seit langem meine Beste Investition gewesen.

Endlich angekommen

Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich endlich gegen 23 Uhr in meinem kleinen Örtchen an. Ich selbst fühle immer noch den Seegang in den Knochen und komme mir etwas betrunken vor. Aber nach einem kleinen Gläschen sizilianischem Wein ist die Welt wieder in Ordnung und ein weiteres sizilianisches Abenteuer kann beginnen.

Anreise mit der Fähre nach Sizilien

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