Aus jeder Richtung pfeift ein anderer Wind

Manchmal geht er mir gehörig auf die Nerven – der Wind! Man kann kaum geradeaus laufen, die Haare ständig im Gesicht, Sand in den Augen, Sand im Haus und ein Verbrauch an Unmengen von Weichspülungen für’s Haar. Aber wer ein Haus am Meer haben will, für den gibt es eben nicht nur Sonne, Sand und Meer, da gehört der Wind eben auch dazu und davon gibt es manchmal gerade genug – zur Freude der ganzen Wassersportler. Man glaubt es kaum, aber trotzdem gibt es einen Wind, den liebe ich heißt und innig.

Für jede Himmelsrichtung gibt es einen anderen Namen für den Wind, daher hangeln wird uns mal an einer Windrose entlang, um das anschaulicher zu machen. Dafür habe ich eine schöne Windrose von der Seite www.centrometeosicilia.it geklaut, da kann man nämlich gut sehen, welcher Wind aus welcher Richtung kommt:

 

Aus dem Norden kann man sich schon vorstellen, dass der Wind kalt ist. Darauf deutet alleine schon das Wort „Norden“ hin. Der Wind aus Norden heißt „Tramontana“ was übersetzt auch Nordwind heißt.

Der „Grecale“ kommt aus Nordosten, aus Richtung dem Balkan und heißt übersetzt auch „Griechenland“. Für die Sizilianer ist dieser Wind ausnahmsweise nicht wirklich wichtig, da er hier eigentlich nicht ankommt. Er entlädt sich in der Adria und hat bis Sizilien keine Kraft mehr. Naja, ich persönlich brauche ja auch nicht jede Brise die mir um die Ohren weht.

Aus dem Osten, besucht uns der „Levante“, denn es ist ein feuchter, kalter Wind. Er kann auch Nebel bringen und ist zu jeder Jahreszeit möglich, hauptsächlich jedoch vom Juli bis Oktober. Im Winter bringt er sogar Starkregen mit sich.

Jetzt kommen wir zu meinem „Lieblingswind“ das ist der Scirocco. Der Scirocco kommt aus Südosten, also aus Richtung Afrika. Es ist ein sehr warmer Wind. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, man heizt den Backofen vor und wenn die Temperatur erreicht ist, macht man die Backofentür auf, um das Blech rein zu schieben. Diese Wärme die da einem ins Gesicht bläst, dass erinnert mich immer an den Scirocco. Allerdings ist er nicht nur schön warm, er hat auch Nachteile, denn er ist sehr stark, da weht es einem fast die Haare vom Kopf. Der Scirocco dauert in der Regel mehrere Tage, so wie andere Winde auch, fängt aber schwach an und steigert sich über die Tage immer mehr, bis es dann regnet und wie es dann regnet! Als wenn jemand einen Eimer Wasser über einem ausschüttet. Das scheint wohl sein Abgang zu sein, denn danach ist Schluss. Da er von Afrika kommt, bringt er auch immer Sand mit und wenn es dann regnet, dann sagen die Menschen hier, es regnet Schlamm. Das sieht man dann auch, da sind alle Autos von oben bis unten mit Sand überzogen und die Fenster sind schmutzig. Mancher ist auch „sciroccato“ das heißt, er leidet unter Kopfschmerzen und man ist müde. Also ein ziemlich extremer Wind in jeder Beziehung.

Aus dem Süden erfreut uns der „Mezzogiorno“. Erfreuen deshalb, da es kein starker Wind ist und bei uns nur selten anzutreffen ist.

Der „Libeccio“ hat zwei Gesichter. Er kommt aus Südwesten, dass heißt für uns aus Richtung Meer. Im Sommer weht er moderat und nicht so häufig, im Winter allerdings, ist er sehr stark und weht das Meer aufs Land. Dann ist man gut beraten, wenn man die Straßen, die am Meer entlang führen nicht befährt, da so eine Welle richtig gefährlich beim Autofahren werden kann. Außerdem wirft er auch die Algen auf die Straße, die dann glitschig und gefährlich werden. Die Sizilianer passen auch sehr auf, dass das Salzwasser nicht aufs Auto kommt, denn das im Meerwasser enthaltene Salz bringt ein Auto schneller zum rosten, als dass man es in die Waschanlage schafft.

Dann haben wir noch den „Ponente“, den hier vorherrschenden Wind. Er ist kalt, da er auch vom Meer, also von Westen kommt. Er kann auch Salz mit sich bringen, so wie der Libeccio, daher fürchten sich die Bauern vor ihm. Denn er ist in der Lage die Pflanzen zu „verbrennen“. Daher schützen die Bauern die Weinreben mit Zäunen die sie aus Schilfrohr selbst herstellen. In diesem Beitrag habe ich schon mal die Zäune vorgestellt.

Der „Maestrale“, also der Mistral kommt aus Nordosten und ist ein relativ starker Wind. Hier weiß man auch, Norden ist kalt und im Osten liegt Russland, da ist es auch kalt. Also nicht mein liebster Wind. Zumal dieser Wind nicht unbedingt von Wolken begleitet wird, den kann es auch bei blauem Himmel geben.

Leider kann man sich den Wind nicht aussuchen, man muss nehmen was kommt und da hilft nur eins – die richtige Kleidung und draußen nichts rum liegen lassen.

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