Autos reparieren auf sizilianische Art

Autos reparieren auf sizilianische Art. Wer auf Sizilien mit seinem Auto in die Werkstatt muss, der geht vorher zum Schrotthändler.

An meinem kleinen Fiat Panda sind die Bremsen und Bremsscheiben kaputt. Bei Bremsen denkt jeder sofort an neu kaufen, schließlich geht es hier um einen Sicherheitsaspekt. Nicht so auf Sizilien.

Auf dem Schrottplatz

Also mache ich mich auf den Weg zum Schrotthändler, der mir schon öfter schöne gebrauchte Teile verkauft hat und ich damit bestens gefahren bin, im wahrsten Sinne des Wortes.

Mich fasziniert dieser Schrottplatz jedes Mal, da ist alles fein sortiert, die Autos stehen alle sauber übereinander gestapelt und auch der Ort, in dem der Schrottplatz untergebracht ist. Es ist ein alter Steinbruch, in Deutschland wäre das auf Grund von zig Umweltauflagen niemals möglich, hier schon.

Ich gehe zu einem Mitarbeiter und erkläre was ich brauche. Er sagt, ich solle mir auf dem Schrottplatz einen Fiat Panda aussuchen, da baut er mir aus was ich brauche und sagt, ich soll mittags wieder kommen.

Gesagt, getan, stehe ich mittags wieder auf der Matte bzw. zwischen Schrott. Leider hatte er die anderen Mitarbeite nicht informiert und aus meinem Objekt der Begierde ist ein Autowürfel geworden.

Schöner Mist denke ich, aber mir wird gesagt, dass es noch mehr Fiat Pandas gibt und er mir die Teile aus einem anderen Auto ausbauen wird. Es tut ihm sehr leid, aber ich sehe es selbst, hier ist immer viel los und da kann einem schon einmal ein kleiner Fiat Panda durch die Finger rutschen.

Bei Giovanni

Ein paar Tage später sind die Teile da und ich bringe sie direkt mit meinem Auto zu Giovanni. Giovanni ist ein ganz besonderer Kerl. Er hat keine Ausbildung, aber jahrelange Erfahrung gesammelt im Autos zerlegen auf einem Schrottplatz. So hat er es sich selbst beigebracht, wie ein Auto zusammengesetzt ist und ist nun der Weltbeste Automechaniker den ich kenne. Beim ihm heißt es aber, Autos reparieren* auf sizilianische Art.

Seine Arbeitsbedingungen sind miserabel und sein Werkzeug kann man, glaube ich, an zwei Händen abzählen. Ich schaute ihm einmal zu, wie er die Motoren von zwei verschiedenen Cherokee Jeeps Modellen austauschte. Da wurde ein Gerüst aus Holz um das Auto gebaut, den super schweren Motor an ein Seil gebunden und aus dem Auto heraus gehievt. Dabei hat die ganze Familie geholfen, seine witzige Mutter mit ihren O-Beinen, sein Vater der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und sein kleiner Bruder, alle hingen an dem Seil*.

Das muss man sich mal vorstellen, da tauscht so ein junger Kerl einfach die Motoren eines so riesigen Autos und es handelte sich nicht einmal um die genau gleichen Automodell. Aber – das Auto fährt!

Jedenfalls baut Giovanni in einer halben Stunde die kaputten Bremsen aus meinem Panda aus und die neuen ein und sagt dann: „So, dass macht 5 €“. Das konnte ich so nicht annehmen, viel zu billig. Also gebe ich ihm 10 € und habe trotzdem ein schlechtes Gewissen. Dann fahre ich mit meinem Fiat Panda davon und kann wieder bremsen.

Übrigens, die Motoren des Jeeps tauschen dauerte zwar sechs Monate, da er noch einen anderen Job hatte, aber die Kosten beliefen sich auf 200 €. Jetzt sag nochmal einer, dass alle Sizilianer Gauner* sind!

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