Cave di Cusa – Die Steinbrüche von Cusa

Cave di Cusa – Die Steinbrüche von Cusa. Ein bisschen sizilianische Geschichte für einen lauen Sonntagnachmittag gefällig? Hier ist ein richtig interessanter Ort dafür.

Heute ist so ein Sonntag, ich habe Lust auf etwas intelligentes nicht zu stressig und nicht zu lasch, also mache ich mich auf den Weg in Richtung Campobello*, vorbei an Torretta Granitola. Mein Hund* habe ich auch mit im Gepäck, denn ich denke mir, ein bisschen antike Technologie kann dem auch nicht schaden.

Wir fahren also wie üblich über Land, vorbei an tausenden von Olivenbäumen und ich bin mal wieder richtig froh, dass sich Mr. GoogleMaps so gut auskennt. Ich würde aus dem Olivenlabyrinth vermutlich niemals wieder heraus finden, geschweige denn mein Ziel erreichen.

Die letzte Etappe führt uns über eine scheinbar nicht enden wollende, mit Kopfstein ähnlichem Pflaster ausgelegte Straße und so hüpfen wir mit dem Auto unserem Ziel entgegen.

Am Eingang angekommen, freue ich mich, dass niemand da ist, also kein weiteres Auto, denn ich bin wieder einmal zeitlich dem Besucherstrom ausgewichen. Im Internet war zu lesen, dass durchgängig geöffnet ist, aber leider muss ich feststellen, dass hier vor Ort ein Schild aufgestellt ist, mit der Info, dass auf Grund Corona blablabla nur nach telefonischer Voranmeldung ein Eintritt möglich ist.

Mich erwartet eine schöne Überraschung…

Da werde ich doch fast schon etwas säuerlich. Da fahre ich mit Hund eine halbe Stunde durch die Gegend und dann ist der Laden zu und das bei diesen Benzinpreisen. Also erst mal den Hund aus dem Kofferraum lassen und überlegen. Ich komme zu dem Schluss, dass ich auf keinen Fall ohne ein Foto nach Hause fahre.

Mein Hund hat die Gegend inzwischen mit der Nase erkundet und siehe da, einen Eingang gefunden. Na, wer sagt’s denn. Nachdem ich hier eh alleine bin und vermutlich jeder Sizilianer sein Mittagessen genießt, weiß ich was ich zu tun habe.

Erst noch einmal umdrehen und kontrollieren, ob auch niemand kommt und dann mit dem Hund über den bereits von vielen vor mir unerlaubt eingedrungenen Besuchern niedergetrampelten Zaun. Es gibt schon einen richtigen Trampelpfad, ich bin also nicht die Erste, die durch die Hintertür kommt.

Kaum bin ich hinter dem Zaun, da kommt auch schon ein Auto angefahren. Toll, denke ich, das war ja klar. Also Hund an die Leine und so tun, als sei nichts und weiter geht’s.

Ein parkähnliches Anwesen mit interessanter Geschichte

Wie ich so mit meinem Hund durch das parkähnliche Anwesen schlendere, die Ruhe und das Vogelgezwitscher genieße, haben auch die anderen den Eingang gefunden. Wir winken uns über die Sehenswürdigkeiten hinweg zu und freuen uns, dass wir doch unsere Fotos machen können.

Was ich zu sehen bekomme, das ist wirklich umwerfend. Natürlich habe ich mich vorher informiert, schließlich soll sich ein Ausflug ja auch lohnen. Dieser Ort war über 200 Jahre lang der Steinbruch, in dem die Säulen und anderes Baumaterial für die Tempel von Selinunt abgebaut wurden.

Die Abbauarbeiten wurden abrupt unterbrochen, als die karthagische* Armee plötzlich über die Stadt Campobello einfiel. Die Steinmetze ließen alles stehen und liegen und rannten um ihr Leben. Genau dieses Verhalten hat dazu geführt, dass man ihre Arbeitsweise und die Bearbeitungsschritte genau verfolgen kann. Ein Segen also für die Archäologie.

Die Arbeitsweise

Wie in Wikipedia zu lesen ist, wurden die Säulen durch einen kreisförmigen Einschnitt in den Felsen herausgemeißelt. Dieser Prozess war zeitaufwendig und schweißtreibend, aber die Technik, die diese Steinmetze schon in der Zeit vor Christi Geburt verwendeten, ist wirklich erstaunlich.

Wenn ich mir die gigantischen Blöcke und Säulen, die für den Bau der Tempel von Selinunt notwendig waren, so anschaue, da frage ich mich wirklich, was doch ohne heutige Technik damals schon alles möglich war.

Hier einmal zum Vergleich, ein Teil einer am Boden liegenden Säule im Vergleich zu meinem Hund.

Die quadratischen Blöcke wurden in Ochsenkarren transportiert oder auf unterlegten Rollen gezogen. Die Säulenteile wurden nach Selinunt gerollt.

Hier noch ein paar Eindrücke, was auf der Flucht der Steinmetze an Ort und Stelle liegen blieb:

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