Darf man auf einem Boot leben?

Darf man auf einem Boot leben?

Lockdown hin oder her, ich möchte nicht darüber diskutieren ob das gut oder schlecht war. Ich weiß nur, dass viele raus aus dem normalen Leben wollen. Ob der Lockdown dazu beigetragen hat? – Ich weiß es nicht.

Was ich jedoch sicher weiß ist, dass immer mehr auf der Suche nach einem anderen Lebensstil sind. Ein Lebensstil der nichts mehr mit acht Stunden Maloche zu tun hat. Und wozu? Um all das zu bezahlen, was man eigentlich gar nicht will oder braucht zum Beispiel eine GEZ ?

Nicht jeder kann oder will sich ein Haus am Meer leisten. Es gibt noch Alternativen und eine davon möchte ich heute vorstellen. Sie behandelt die Frage: „Darf man auf einem Boot leben?“ Genauer gesagt, auf einem Boot um Sizilien.

Im Hafen von Marsala

Was sagt das Gesetz dazu?

Kein Gesetz kann uns zwingen, zu Hause zu bleiben oder einen festen Wohnsitz zu haben. Es würde dem in der Verfassung garantierten Prinzip der Freizügigkeit widersprechen. Daher ist das Leben in einem Boot legal. Aber es gibt ein paar Dinge die man beachten sollte.

Wohnsitz und Verfügbarkeit

Das Wichtigste vorne weg ist die Pflicht zur Auffindbarkeit. Jeder Bürger muss dem Melderegister eine Wohnadresse mitteilen. Dies ist auch für die Ausübung einer Reihe von Rechten notwendig, wie z.B. Wahlrecht, Personalausweis, etc. Wenn man nicht in einer Gemeinde wohnhaft ist, steht man auf der Liste „unauffindbar“. Stellen Sie sich mal vor Sie erben ein hübsches Sümmchen und werden nicht gefunden? Das wäre wirklich blöd.

Diejenigen, die in Booten leben, werden mit den „Obdachlosen“ gleichgesetzt, da es sich um Fahrzeuge handelt, die ständig unterwegs sind. Genau aus diesem Grund kann man seinen Wohnsitz nicht mit einem Fahrzeug verknüpfen, wie soll der Postbote auch den Fahrer ausfindig machen?

In Italien könnte der Bürger in solchen Fällen bei der Gemeinde beantragen, als Person ohne festen Wohnsitz registriert zu werden. Jede Stadtverwaltung hat eine Liste mit fiktiven Adressen, die von Obdachlosen gewählt werden können, um ihren Wohnsitz zu begründen.

Sinnvoller wäre jedoch, einen Wohnsitz bei Freunden oder Verwandten anzumelden. Sie könnten auch die Post lesen und in dringenden Fällen per Foto weiterleiten.

Anlegeplätze für das Boot

Leider kann man sein Boot nicht irgendwo fest machen oder ankern wo es grad schön ist. Aus Sicherheitsgründen hat jede Hafenmeisterei einen Mindestabstand zur Küste festlegt, der sowohl für Motor- als auch für Segelboote gilt. Diese Grenze kann je nach den Bestimmungen zwischen 150 und 500 m variieren; 150 Meter gelten im Allgemeinen für Riffabschnitte, während für Strände, die von Badegästen frequentiert werden, maximale Abstände vorgeschrieben sind.

Das Stadtzentrum von Marsala ist nicht weit

Preise für feste Liegeplätze

Es ist nicht jedermanns Sache weit draußen vor der Küste zu ankern. Daher hier die Preise von zwei Häfen in meiner Nähe, damit man einmal eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie viel ein fester Wohnsitz im Boot kosten könnte.

Ein Liegeplatz im Hafen von Mazara del Vallo kostet 120 €/Monat, ein Platz im Hafen von Marsala kostet 100 €/Monat. Die Preise sind inklusive Wasser und Strom, sowie die Benutzung von Toiletten. Wird jedoch für ein ganzes Jahr im Voraus bezahlt, dann kann man mit einem Rabatt rechnen.

Planung ist das A und O

Abgesehen davon, dass man für diese Lebensweise ein Boot benötigt, ganz egal ob Segelboot oder Motorboot. Könnte man sich also auf Sizilien ein Boot kaufen und vor Ort für sich passend umbauen*, oder man kommt direkt mit seinem Boot angeschippert.

Im Hafen von Mazara del Vallo gibt es eine Bootswerkstatt und Platz um sein eigenes Boot umzubauen. Auch fachkundige Helfer gibt es auf Sizilien genügend.

Wer sein Boot lieber in einem privaten Umfeld umbauen möchte, der soll sich melden, wir finden auch dafür ein Plätzchen.

Im Hafen von Mazara del Vallo gibt es einen guten Bootsservice

Schifferpatent

Wer ein Leben auf dem Boot erst einmal ausprobieren möchte und das Segeln vielleicht erst noch lernen muss, der kann sich an Fulvio wenden, ein passionierter Segler mit viel Regattaerfahrung. Er betreibt seit vielen Jahren eine Segelschule in Palermo -> Archeosailing. Die Kurse werden in italienisch oder englisch angeboten.

Für Segelboote unter 10 Metern Länge und einem Außenbordmotor kleiner als 50 PS benötigt man jedoch kein Patent.

Aber – Pflicht ist bei einem Segelboot das mitführen eines Außenbordmotors und dieser muss versichert sein.

Geräusche und Gerüche

Wer noch etwas unerfahren auf diesem Gebiet ist, der sollte bedenken, dass ein Leben auf einem Boot nicht mit einem Leben in einem Haus vergleichbar ist. Auf einem Boot ist es selten leise, das Wasser plätschert ständig ans Boot und auch Gerüche vom Meer und aus der Toilette können störend sein.

Die Toilette* muss geleert werden, das Wasser aufgetankt, der Platz im Boot ist beengt und wenn man den Hafen verlässt und einen anderen Hafen ansteuert muss man einen Liegeplatz suchen. Manche Häfen liegen ab vom Zentrum und sind nur mit dem Fahrrad* oder ähnlichem* erreichbar. Auch die Überlegung wo seine Wäsche waschen, dass sollte man vorher durchdenken. Glücklicherweise ist der Markt inzwischen sehr gut darauf eingestellt und bietet vieles an, dass klein und praktisch* ist.

Boote die im Salzwasser liegen müssen ständig gewartet werden und das kann zum Fulltimejob werden.

Jeder Platz muss optimal ausgenutzt werden

Es ist nicht unbedingt ein bequemes Leben in dem Sinne, aber es ist ein Leben in Freiheit. Man kann sich von den Wellen schaukeln lassen und hat die Möglichkeit ständig neue Menschen kennen zu lernen, die vielleicht auf der gleichen Welle reiten.

Gerade um Sizilien* herum gibt es sehr viele kleine Inseln die man erkunden kann, die Küste von Sizilien ist 1.152 km lang, Malta, Afrika und Italien selbst sind nicht weit und wer möchte, der kann auch einen Abstecher nach Sardinen machen.

Es gibt 12 Inseln die zu Sizilien gehören

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