Das andere Sizilien

Über Sizilien habe ich schon viel berichtet, über das leckere Essen, Sehenswürdigkeiten und auch Dinge die mir nicht so gefallen haben. Aber da gibt es noch etwas, dass man leider nicht unter den Teppich kehren kann und in die Kategorie „gefällt mir überhaupt nicht“ gehört – Drogen.

Es gibt Tierfreunde auf Sizilien, aber nicht in der Zahl wie ich es aus Deutschland gewohnt bin. Daher ist es immer etwas schwierig mit seinem Hund „gassi“ zu gehen, denn auch das kennt man hier eher nicht. Also schnappe ich mir meinen Hund und will mit ihm in den „Parco Salinella“ nach Marsala fahren, damit er da schön gemütlich springen und toben kann, ohne dass ein Auto zur Gefahr werden könnte. So dachte ich jedenfalls. Aber meistens kommt es anders als man denkt und so ist es auch mir passiert.

Schon am Eingang des Parks steht ein Schild, Durchfahrt verboten. Im Hintergrund kann man sehen, dass da jemand seinen Bauschutt abgeladen hat – wohlgemerkt nach dem Schild:

Eigentlich steht das Schild für Durchfahrt verboten, ausgenommen Fahrräder. Aber der Müll im Hintergrund sagt etwas anderesDer Park wäre eigentlich, ja eigentlich wunderschön, er liegt direkt am Meer, im Hintergrund sind die vorgelagerten Inseln Favignana, und Levanzo zu sehen. Auch den Berg von Erice kann man gut sehen.

Täuschend ruhig, der Parco Salinella von Marsala

Aber drehe ich mich etwas nach rechts, dann sehe ich das soziale Viertel von Marsala:

Der soziale Brennpunkt von Marsala in bester Lage

Und wie das früher ja immer so war, die Grundstücke am Meer waren günstig, denn die blassen Adligen wollten nicht an die Sonne und so baute man dort alles das hin was lästig war, die Gleise der Bahn, die Häuser für die sozial Schwachen, Fabriken und so weiter. Wenn in Italien einer sozial schwach ist, dann ist er das wirklich. Hier wird keiner so versorgt wie in Deutschland. Daher versuchen sie zu überleben, egal auf welche Weise und das geschieht meist mit Drogenhandel.

Also, ich laufe da so mit meinem Hund, anfangs immer noch im Glauben, dass ja hier kein Auto fährt. Aber kaum, nachdem ich den Park betreten habe, fährt schon das erste Auto an mir vorbei. Mein Hund findet auch gleich die ersten Spritzen im Gebüsch und das nächste Auto drängelt auch schon wieder. Es wird gleich klar was hier gespielt wird. Ich darf mich nicht darum kümmern, wenn man hier etwas sieht, dass man nicht sehen soll, dann ist es besser, wenn man auch so tut als hätte man nichts gesehen. Wichtigste Regel und bester Schutz für einen selbst. Trotzdem bleibt es mir nicht verborgen wie die Dealer, einer nach dem anderen, sich im Gebüsch verstecken. Sie schauen sich immer wieder verstohlen zur mir um und ich mit meinem Hund bin da nicht erwünscht. Ich habe auch genug gesehen, es ist besser für mich, meinen Hund zu schnappen und mich davon zu machen.

Aber  nicht nur im Park wird gedealt, auch anderswo widmet man sich mit ganzem Herzen den Drogen. Hier ein Zeitungsbericht aus der Nachbarschaft:

Das Gras aufgehangen, wie Wäsche an der Leine

Die drei Jungs wurden erwischt, wie sie gut 45 kg Marihuana in einer kleinen Wohnung trocknen wollten. In dem kleinen Ort ist es niemandem verborgen geblieben, dass es aus allen Ritzen nach Gras roch. Die Polizei wurde gerufen und schlich um das Haus. Als sie Stimmen hörten, haben sie sofort eine Hausdurchsuchung gemacht. Was sie da erwartete, war schon beeindruckend. Sie hatten alle Wände, inklusive Bad wie ein Schweizer Käse durchlöchert, um Seile zu befestigen und daran das Marihuana zu trocknen:

Wie Wäsche an der Leine, so wird das Gras getrocknetMan muss sich mal vorstellen, 45 kg, dass waren 5 große Müllsäcke voll, mit einem Wert von 100.000 €, die hinterlassen geruchsmäßig ihre Spuren. Einer der Dreien hatten die Wohnung angemietet unter dem Vorwand, eine ruhige Bleibe für Frau und Kind zu wollen. Aber auch hier kam es anders als sie dachten, die Drei haben jetzt Hausarrest und warten auf ihre Verhandlung.

Alles leider ein Produkt der Armut, ausgelöst durch die Misswirtschaft der Politiker.

Ich genieße noch einen letzten Blick auf alle drei Inseln bevor es dunkel wird:

Alle drei Inseln auf einen Blick, dass hat sich jedenfalls gelohnt.

 

 

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