Die Insel Levanzo

Die Insel Levanzo. Levanzo ist die kleinste der Ägadischen Inseln vor Sizilien und trotzdem eine Reise wert.

Ich habe mir schon lange einmal vorgenommen, die Insel Levanzo* zu umrunden. Da man auf Levanzo keine Fahrräder oder ähnliches mieten kann und auch Google mit seinem Glotzmobil noch nicht gefahren ist, kommt also nur eine Wanderung infrage.

Bei Wikipedia steht, dass die Insel eine Fläche von 5,82 km² hat, somit müsste der Umfang etwa 18 km sein. Die höchste Erhebung ist der Pizzo Monaco mit 278 m. Das scheint mir machbar. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich Wege gibt, die einmal um die Insel herum führen. Bei der Touristinfo sagt man Ja, Bekannte sagen Nein. Also bleibt mir nur das Ausprobieren, denn schließlich muss ich die Tour schaffen bis die Fähre um 17 Uhr wieder zurückfährt.

Ich nehme die Fähre von Marsala, da gibt es nur einmal am Tag eine Hinfahrt und die Rückfahrt erfolgt mit einem Stopp auf Favignana. Also Rucksack* packen und los geht’s.

Der Hafen von Levanzo

Levanzo ist wirklich eine kleine Insel, die wenigen Häuser, die es dort gibt, kann man an beiden Händen abzählen und entsprechend groß ist der Ortskern, nämlich winzig klein. Vom Hafen aus kann man das Dörfchen mit einem Blick überschauen

Es gibt keinen Rundweg

Gleich vorweg, wie sich bei meiner Wanderung herausgestellt hat, kann man die Insel nicht umrunden. Daher habe ich meine Routen in drei Abschnitte aufgeteilt., nämlich in die Route 1, 2 und 3.

Auf der nachfolgenden Karte sieht man wie weit und wo ich gelaufen bin.

Die erste Route

Ich wollte meinen Rundgang in Richtung Westen* starten. So bin ich einfach vom Hafen aus durch den Ort gelaufen in Richtung Faraglione, zu diesem Felsen im Meer.

Weit wäre ich nicht gekommen, wenn ich mich an die Anweisungen gehalten hätte, denn die Straße ist abgesperrt. Steinschlag heißt es da. Aber ich will mich nicht abschrecken lassen, schließlich will ich einmal um die Insel rum und nicht schon nach ein paar wenigen Metern zum Rückzug gezwungen werden.

Aber der Stein, der da plötzlich vor mir auf der Straße auftaucht, ist wirklich mächtig. Der hat echt ein Loch in den Asphalt geschlagen. Egal, ich laufe weiter. Vorbei am ersten Strand der sich direkt vor dem Felsen Faraglione befindet.

Der Strand ist sehr klein und unbequem. Hier machen auch oft die kleinen Ausflugsschiffe halt, die ihre Gäste zum Baden abladen. Auch die Touristen, die täglich haufenweise von den etwas größeren Ausflugsschiffen am Hafen ausgespuckt werden und nach einer Stunde wieder eingesammelt werden. Die Zeit reicht gerade, um hierher zu laufen, kurz einen Sprung ins Wasser zu wagen und wieder zum Schiff zurückzulaufen.

Ich mache hier aber nicht halt, ich glaube nämlich immer noch, dass ich um die Insel laufen kann und laufe weiter. Von hier aus hat man auch einen super Blick auf die Nachbarinseln Favignana und Marettimo, die etwas weiter draußen im Meer liegt.

Etwas entfernt sehe ich ein Motorrad einsam und verlassen am Felsen lehnen. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, das finde ich allerdings komisch, aber es wird nicht das einzig komische sein, das mir auf dieser Insel begegnet.

Kurz nach dem Motorrad ist der Weg zu Ende. Der glatte Fels fällt ins Meer ab und ich sehe keinen Weg, der mich hier weiter bringt. Also drehe ich zähneknirschend um, denke an die schlechte Auskunft der Touristinfo-Dame und laufe wieder zurück in den Ort.

Die zweite Route

Als ich wieder im Ort ankomme, überlege ich noch kurz im Restaurant einzukehren, aber es ist erst kurz nach 11 Uhr und so beginne ich meine zweite Route. Sie soll mich auf die Insel und zum äußersten Punkt, dem Leuchtturm bringen.

Man, ich schwitze wie ein Ferkel, obwohl wir nur eine Temperatur knapp unter 30 Grad haben. Der Aufstieg auf die Insel ist dermaßen steil, dass ich mich frage, ob die geparkten Autos wirklich parken und sich nicht langsam abwärts ins Tal bewegen.

Der Wetterbericht hat für heute leichte Wolken angekündigt, aber der Himmel ist immer noch blitze blank und blau. Vom Wind ist leider auch nichts zu spüren und so schwitze ich weiter und laufe weiter, immer dem einzigen unbefestigten Weg entlang.

Unterwegs sind hin und wieder ein paar Häuser zu sehen, aber keine Menschen. In der Ferne höre ich Schafe schreien und der Müllmann, der mit seinem schmalspurigen kleinen Lastwägelchen immer mal wieder an mir vorbeifährt. Das wundert mich eh, hier oben gibt es fast keine Häuser, aber der Müllmann und ich sehen uns so oft, wir haben quasi schon Freundschaft geschlossen. Im Übrigen bin ich hier oben die einzige Person auf dieser Straße, weit und breit keine Menschenseele, außer der Müllmann eben.

Irgendwann komme ich an einem kleinen Wäldchen vorbei, da habe ich endlich die Gelegenheit meinen Bikini* anzuziehen und meine kurze Jeanshose* auszuziehen. Ich bin komplett durchgeschwitzt, sogar meine Socken sind nass. Danach ziehe ich weiter, mit flatterndem, feuchtem Hemd, drunter mein Bikini und Turnschuhe. Aber was soll’s, außer mir ist hier ja niemand.

Ich bin nun scheinbar in der Mitte der Insel angekommen, denn ich kann zur linken und zur rechten Seite das Meer sehen, dazu muss ich nur den Kopf drehen. Hier scheint auch der windigste Ort zu sein, denn plötzlich wird’s mir ganz frisch um meinen Bikini herum. Deshalb mache ich noch schnell ein Video und dann geht’s auch schon weiter.

Wie ich so in Gedanken versunken dahin gehe, wird mein Blick auf eine riesige Ansammlung von irgendwelchem Zeugs gelenkt. Ich kann nicht glauben, was ich da sehe! Ein riesiger Müllplatz auf dem Mittelpunkt der Insel! Das kann doch nicht wahr sein. Kein Wunder habe ich den Müllmann so oft fahren gesehen. Der hat tatsächlich den ganzen Müll hier oben abgeladen. Ich sollte vielleicht mal dem Bürgermeister von Favignana schreiben, der für Levanzo zuständig ist und fragen, ob er davon überhaupt eine Ahnung hat. Das ist echt eine Schweinerei! Wie können diese paar Einwohner so viel Müll produzieren, das geht doch nur, wenn der schon seit Jahrzehnten hier gelagert wird.

Weil ich noch ein gutes Stück vor mir habe, will ich mich nicht länger aufregen und laufe weiter Richtung Leuchtturm. Die Gegend ist karg und felsig und der Weg nicht unbedingt für Flipflops* gemacht. Das mal am Rande bemerkt, sollte doch jemand auf die Idee kommen, die Tour in Flipflops zu machen.

Dann sehe ich den Leuchtturm und bin schon wieder enttäuscht. Die ganze Anlage ist verfallen. Eigentlich habe ich schon keine Lust mehr bis zum Leuchtturm zu laufen, aber ich denke, nun bin ich schon mal hier, also gucke ich mir auch den Leuchtturm an.

Was ja schon fantastisch ist, das ist das weite Meer, das man vom Capo Grosso an der Nordspitze von Levanzo vor sich hat. Ein Blick auf Marettimo zur linken Seite und Sizilien zur rechten Seite.

Langsam ist es Zeit für ein Mittagessen. Von meinem steilen Aufstieg bis zum Leuchtturm habe ich eine Stunde gebraucht. Die Häuser, die in der Nähe des Leuchtturms stehen und einen unbewohnten Eindruck machen sind die einzigen Schattenspender hier. Der Leuchtturm sieht mir nicht vertrauenswürdig genug aus, um hier in seinem Schatten eine Pause zu machen.

Was diese Häuser darstellen ist mir allerdings auch ein Rätsel. Ferienwohnungen total ab vom Schuss? Die Sonnenliegen sind auch von der Sonne zerschlissen und das Schwimmbad, das ist alles andere als vertrauenerweckend. Mit einer Tiefe von bestimmt fünf Metern und ohne Leiter ist es eher eine Todesgrube als ein Schwimmbecken, das finde ich schon mehr als gruselig. Deshalb fällt meine Pause auch nur sehr kurz aus, denn wohlfühle ich mich hier nicht.

Auch auf meinem Rückweg sehe ich niemand anderen als den Müllmann. Nachdem mir nach dem anstrengenden Aufstieg, dem Marsch in der Hitze meine Füße weh* tun, gönne ich mir eine Pause im Restaurant im Ort. Anschließend geht’s weiter mit meiner 3. Route.

Die dritte Route

Meine Füße tun mir echt weh und langsam fange ich auch an zu müffeln*. Viel Schweiß und Anstrengung bei den Temperaturen hinterlassen so ihre Spuren. Aber wem muss ich hier schon gefallen? Also raffe ich mich auf und starte meine 3. Route, die mich um die rechte Seite der Insel führen soll.

Ich laufe also wieder am Hafen entlang und weiter auf die Ostseite der Insel. Leider ist gerade noch ein Ausflugsschiff angekommen und mit ihm weit über 50 Touristen, so schätze ich mal. Irgendwie haben alle das gleiche Ziel wie ich und so finde ich mich auf einmal in einer Touristengruppe wieder, die alle ein Ziel haben, nämlich den Strand Cala Fredda. Hinter mir höre ich eine ältere Touristin sagen, das man rechts von der Insel baden kann. Was ich da aber vor mir finde, das hat für mich nichts mit Strand und baden zu tun. Es ist einfach nur eine Cala, was übersetzt* Bucht heißt.

Da ich die Cala Fredda total uninteressant finde, laufe ich weiter zur Cala Minnola. Auch hier wäre ein durchkommen mit Kinderwagen nicht möglich. Zeitweise führt der schmale, Weg direkt an einem Hang entlang, ein Geländer gibt es aber nicht und runterfallen möchte ich auch nicht. Daher heißt es warten und an die Seite quetschen, wenn andere Fußgänger entgegenkommen. Alles irgendwie nicht auf die vielen Touristen ausgelegt die Tagtäglich hier anlanden – zumindest in den Sommermonaten.

Auch hier werde ich vom Strand ein weiteres Mal enttäuscht, was mich aber sofort versöhnt, das ist der angrenzende Pinienwald, in dem es viele Sitzmöglichkeiten im Schatten gibt. Hier haben sich ein paar Leute niedergelassen und picknicken. Allerdings kommt heute der Wind genau aus Norden und bläst ziemlich lästig in den Wald hinein. Trotz allem fläze ich mich hier auf eine Bank und schaue in den von Pinienästen bedeckten Himmel und lasse im Wind mal wieder meine Bluse trocknen.

Dem Pinienwald entlang Richtung Norden gelangt man zur Cala Nucidda, auch hier alles andere als ein bequemer Weg, deshalb gibt’s von hier nur ein Foto aus der Ferne

Am Ende des Weges, der wieder einmal nicht um die Insel herum führt, kann man noch einen Blick auf die Cala Stelle Marina werfen

Eigentlich bin ich froh das der Weg hier zu Ende ist. Meine Füße wollen nicht mehr, es scheint, als ob sie mit den Schuhen verschmolzen sind. Deshalb mache ich mich auf den Weg zurück ins Zentrum von Levanzo.

Hier in der Cala Dogana kann ich ganz relaxt auf die Rückfahrt von Levanzo über Favignana warten und mich ausruhen.

Cala Dogana

Der kleine Hafen von Levanzo ist sicherlich der am meisten fotografierte. Er macht sich mit seinem türkisfarbenem Wasser aber auch wirklich gut. Und weil es hier so schön ist, lasse ich in der Cala Dogana meine Füße im Wasser ausruhen und genieße den Blick auf das Meer und das Treiben am Hafen und finde, auch wenn es anstrengend war, so ist es doch eine besondere Insel.

Fazit

Wer denkt, Levanzo ist ein kleines Inselchen wo man in Ruhe baden kann, der irrt. Die Strände sind winzig klein und meistens steinig bis felsig und für Kinder nicht geeignet. Mit Kinderwagen meistens gar nicht und mit Flipflops oft nur mühsam zu erreichen.

Levanzo ist eher eine Insel um auf dem Gipfel ein paar einsame Stunden zu verbringen, oder einfach eine Wanderung auf der Insel zu machen und um anschließend in einem der Restaurants lecker zu essen.

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