Drei Tage Marettimo – Tag 2

Der Morgen am Tag 2 fühlt sich nicht so beschwingt und leicht an, als der gestrige. Ein nächtliches Pipi machen gestaltet sich gar nicht so leicht. Schließlich muss ich irgendwie von dem schwankenden oberen Bett unseres Stockbettes hinunter steigen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in einem Stockbett gelegen war. Nachdem ich glücklich wieder oben angekommen bin, wurde ich wieder gestört, aber dieses Mal von Mücken. Bevor ich nicht die letzte erschlagen habe, ist an ein Schlafen nicht zu denken, entsprechend platt bin ich am Morgen.

Um 6:30 Uhr bin ich deshalb bereits in der Bar, um mich mit einem Cappuccino zu wecken, obwohl wir uns erst um 9:00 Uhr zusammenfinden sollen. Aber für mich ist die Nacht eindeutig vorbei. Mit den ersten Fischern geniesse ich deshalb Kaffee in der Morgensonne den Blick auf das noch schlafende Meer. Hier ist es wirklich viel besser, als noch im Bett zu liegen und sich darüber zu ärgern, nicht schlafen zu können.

Von meinem Tisch aus in der Bar, habe ich einen Blick auf das fast unbewegliche Meer.

Auch heute dürfen wir wieder unser trockenes Mittagessen abholen. Das gleiche wie am Tag zuvor, ein Stück Brot aus Hartweizengrieß, aber heute mit Chilli-Käse belegt. Meiner Meinung nicht das Ideale, um auf den Gipfel zu laufen und insgesamt ca. 10 km zurück legen zu müssen.

Heute soll es zum Monte Falcone über den Grat nach Punta Troia gehen. Eine herausfordernde, aber von außergewöhnlicher Schönheit soll die Wanderung werden. Entlang einem Saumpfad direkt auf die Spitze des Monte Falcone, der 684 Meter über dem Meer liegt. Nach all den Strapazen erwartet uns eine Bootsfahrt entlang des Küstenwegs, wo wir die Grotten von Marettimo besuchen.

Zuerst wandern wir aber den selben Weg hinauf, wie schon Tags zuvor, allerdings kommt er mir heute viel länger, viel steiler und viel anstrengender vor – dem Stockbett sei Dank!

Noch liegt der Monte Falcone in den Wolken versteckt, aber ausnahmsweise sind mir heute Wolken lieber als die glühende Sonne
Ein kurzer Blick zurück zeigt mir, dass wir schon ziemlich an Höhe zurück gelegt haben.
Noch sind wir auf einer Höhe, wo es Bäume gibt und eine Vielzahl von blühenden Pflanzen
Noch 5 Minuten, dann ist der Monte Falcone erreicht, der sichtlich in den Wolken liegt.

Das Besondere an dem Schild, ist nicht nur, dass wir es fast geschafft hatten. Pizzo bedeutet hier zwar der Gipfel, gleichzeitig wird als Pizzo aber auch eine Form von Schutzgeldzahlungen an die Mafia bezeichnet. Pizzo in Verbindung mit Falcone der, ein italienischer Jurist, im Kampf gegen die Cosa Nostra 1992 durch einen Bombenanschlag getötet wurde. Nun kann man verstehen, warum „Pizzo Falcone“ ein besonderer Wegweiser ist.

Der Ausblick ist überwältigend, Wasser so weit das Auge reicht, aber auch so eine leichte Vorahnung über den Abstieg

Zeit fürs Mittagessen war hier noch nicht. Italiener essen doch immer erst um 13 Uhr rum zu Mittag. Aber die Aussicht auf ein furztrockenes Brot mit scharfem Käse hält den Hunger in Schacht.

Da stehts nun ganz deutlich, der Weg wird nur Experten empfohlen. Etwas einschüchtern tut mich das schon, denn als Experte fühle ich mich ganz und gar nicht.
Rastplatz mit Aussicht

Unser Rastplatz befindet sich nun auf der anderen Seite des Gipfels, somit haben wir Blick auf die Inseln Favignana und Levanzo und dahinter Sizilien.

Ein Blick zurück und nun wird klar, welchen Weg ich zumindest, bereits hinter mir habe…
…aber auch noch den Weg, den ich vor mir habe. Diese Weggabelung im Bild unten ist das Ziel

Bis ich nach da unten angekommen muss ich echt noch eine Menge Anstrengung auf mich nehmen. Es ist wirklich die schwierigste Etappe, rutschig, unwegsam und steil. Was mir aber bei jedem Schritt bewusst ist und mich sehr freut, dass es noch Flecken ohne Müll und Dreck in Italien gibt. Eine Antwort eines Wanderkollegen darauf war, dass diese Dummköpfe, die den Müll immer achtlos weg werfen, nicht an Natur und Kultur interessiert sind und deshalb nicht nach Marettimo gehen – welch ein Glück!

Da steht er, unser Alfonso, der sich gerade bereit macht für den Sprung ins kalte Wasser. Während wir die Sonne genießen und unsere stinkenden Füße lüften.
Endlich – da kommen sie angefahren, unsere Flotte die uns zu den Grotten bringen wird.

Es sind Einheimische, die uns mit ihren Booten zu den Grotten bringen, die rings um die Insel verstreut liegen. Jedes Boot benötigt eine Erlaubnis, um in die Grotten hinein fahren zu dürfen. Man kann zwar in Marsala, Trapani und weiteren Städten Tickets für den Besuch der Grotten buchen, aber nur ein ansässiger aus Marettimo hat die Erlaubnis in die Grotten zu fahren.

Jeweils neun Personen werden auf die Boote verteilt. Die anderen sind bereits ins Dorf zurück gekehrt. Diese Wanderung wird schon seit einigen Jahren jährlich angeboten und viele hatten schon einmal daran teilgenommen und wollten die Grotten nicht noch einmal besuchen.

Wir fahren mit den Booten vorbei an Felsmassiven, die die gleiche Entstehungsgeschichte wie die Dolomiten haben und mich sehr beeindrucken
Jede Grotte hat ihren Namen, diese ist die „Grota del Presepe“ also die Grotte der Krippe.
Aus Stalagmiten und Stalaktiten scheint es so, als ob eine Muttergottes geformt wurde und es so aussehen lässt, als wäre es eine Krippe.

Es heißt, dass die Insel Marettimo durch ihre vielen Grotten atmet. Während wir darauf warten, bis das Boot vor uns eine Grotte verlässt, höre ich tatsächlich einen dumpfen und tiefen Ton, der sich wirklich wie das ein- und ausatmen einer riesigen Lunge anhört. Etwas unheimlich ist das schon. Aber an was ich mich überhaupt nicht satt sehen kann, dass ist das türkisfarbene Wasser, dass so ganz nach Südsee aussieht.

Der dunkle Fleck ist der Schatten unseres Bootes.

In alle Grotten können wir gar nicht hinein fahren, da es der Wellengang nicht zulässt, aber jeder der besuchten Grotten ist sehenswert und unser Kapitän war wirklich ein super Bootsfahrer. Nach einer zweieinhalb stündigen Fahrt kommen wir mit einem Lächeln im Gesicht und glücklich im Hafen von Marettimo an.

Eine schöne Bootsfahrt geht zu Ende

Nach einer, diesmal heißen Dusche, freuen wir uns auf den obligatorischen Aperitif, nette Gespräche und wieder ein sau leckeres Abendessen in gemütlicher Runde.

Alfonso in Aktion, wie er uns gerade einen Witz erzählt, der scheinbar nie zu Ende gehen will.

Nach einem ereignisreichen Tag sind wir müde und gehen ins Bett, schließlich wollen wir an unserem dritten und letzten Tag wieder fit sein.

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