Ein Besuch im Theater

Es gibt heute eine Veranstaltung im Theater Marsala. Das Theater ist noch vom alten Schlag, jedoch gut erhalten und gepflegt. Das Programm ist sehr vielversprechend und lockt mich tatsächlich hinein. Die Sizilianer sind stolz auf ihre Geschichte, daher ist es nicht verwunderlich, wenn das Thema mit Mozia, einer kleinen Insel in der Stagnone, zusammenhängt.

Programm: Marikhaide di Motya

Die Beschreibung des Stücks lautet: Motya, reich an Seele und Leidenschaft. Auch wenn die Geschichte von Marikhaide in einer fernen Zeit liegt, ist sie relevant, weil sie den Betrachter in die menschlichen Ereignisse jener Zeit hineinzieht, die mit Liebe, Begehren, Hass, Verrat, Rache, Zerstörungskraft, aber auch mit der Wiederherstellung der Hoffnung, der Kraft des Geistes und der Fähigkeit, durch Spiritualität zu kämpfen, zusammenhängen.

Übrigens, Mozia hat verschiedene Schreibweisen, das geht von Motya, Mozia, Mozzia bis zu San Pantaleo. Google hat das ganz toll erklärt: https://de.wikipedia.org/wiki/Mozia

Wir gehen davon aus, dass das kleine Theater gut besucht sein wird und sind auch rechtzeitig da. Meine Eintrittskarte finde ich schon etwas kurios, ein banaler Rechnungsbeleg, aber korrekt wie sonst nichts was danach noch kommen sollte: Eine Handgeschriebene Eintrittskarte auf einem Rechnungsbeleg5,00 € kostet der Spass, da kann man nicht meckern, denke ich. Na gut. Platz Nr. 90 hört sich auch nicht schlecht an. Wir erfahren aber, dass man die Plätze frei aussuchen kann. So ergattern wir eine Loge im 2. Stock mit direktem Blick auf die Bühne.

Ich wäre nun bereit. Aber die Akteure lassen sich noch Zeit. Also fotografiere ich alles was mir vor die Linse kommt, den Stuck an der Decke, die Malereien und lösche es nach genauerem Betrachten wieder. Mir ist echt langweilig.

Aber langsam werde ich muffig. Wir sind früher da, haben also schon 15 Minuten extra gewartet. Die Vorstellung sollte um 21:30 Uhr los gehen, inzwischen ist es 22:00 Uhr. Die anderen Theaterbesucher beginnen schon zu klatschen, auch ihnen dauert es inzwischen zu lange. Das freut mich grad, denn meine Begleitung hat mich schon angeraunzt, ich soll nicht so typisch deutsch sein und alles ganz pünktlich wollen und wie wir halt so wären. – „Wie wir halt so wären…“ diese Aussage steigert meine Laune auch nicht unbedingt.

Endlich, der Vorhang bewegt sich und da sind sie, die lang ersehnten Darsteller. Ich lasse mich von ihrer Darbietung berieseln und irgendwie ist es eine sonderbare Veranstaltung. Halbnackte Männer und eine Marikhaide die aussieht wie diese Spinne, die „schwarze Witwe“ und ständig schreien sie sich an:

Die Männer halb nackt und Marikhaide sieht aus wie diese Spinne, die schwarze Witwe

Im wesentlichen geht es darum, dass Marikhaide, eine Einwohnerin von Mozia, sich in einen Tunesier aus Karthago verliebt hat. Für ihn verlässt sie Mann und Kinder und lässt sich mit einem Boot nach Karthago bringen. Als sie dort ankommt, erfährt sie, dass ihr Liebhaber sie bereits verkauft hat. Sie bittet die Käufer, sie nach Mozia zurück zu bringen. Dem Liebhaber gefällt das aber gar nicht. Auch er fährt nach Mozia zurück, um aus Rache die Insel zu zerstören.

Das Schlussbild zeigt, wie Marikhaide ihren Ehemann wie eine Spinne mit einem weiß-roten Absperrband einspinnt:

Der Ehemann von Marikhaide, eingesponnen in weiß-rotem Absperrband

Ich finde das alles etwas sonderbar. Nun regt sich aber meine Begleitung auf. Mit einem immensen Wissen über die Geschichte seiner Heimat, findet er es eine „minchiata“, also einen ziemlichen Mist was sie da geschichtlich so alles gemischt, dazugedichtet und weggelassen haben.

Aber wenn Theater zu Kunst zählt, dann gilt wohl der Spruch: „Über Kunst kann man nicht streiten“.

Zum Schluss präsentieren sich dann die ganzen Akteure, einschließlich derer, die im Hintergrund aktiv waren:

Alle Akteure im Überblick

Das Tollste ist aber, dass die Vorstellung nach genau 40 Minuten vorbei ist! Jetzt kommt erst richtig der Schwabe in mir zum Vorschein, denn 30 Minuten warten, 15 Minuten extra warten (wegen der deutschen Pünktlichkeit) für 40 Minuten Vorstellung … aber zum Glück hat der ganze Mist nur 5 € gekostet!

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