Einmal Deutschland und zurück

Einmal Deutschland und zurück. Nur mal schnell nach Deutschland fahren und was holen, auch wenn es nur ein kleiner Gefallen ist, man sollte es sich genau überlegen.

Angefangen hat diese Geschichte mit einem kleinen Gefallen. Als ich im letzten Winter in Deutschland bin, sagt mein Bekannter Francesco zu mir, dass er einen Verkaufsanhänger sucht und falls ich etwas sehe, dann sollte ich ihm doch Bescheid geben.

So war es dann auch, als ich in meiner Autowerkstatt einen Termin habe und hinten im Gebüsch einen roten Kochtopf sehe. Ich frage nach, was dass denn sei und bekomme zur Antwort, dass es ein Verkaufswagen in Form eines Kochtopf ist.

Da steht er, zwischen Wohnwagen, alten Autos und bereits mit Gras bewachsen:

Das Objekt der Begierde

Ich schicke das Foto an Francesco, mehr aus Witz, weil ich den Suppentopf lustig finde, aber nicht mit dem Gedanken, dass er ihn unbedingt haben will. Francesco will den Suppentopf nicht nur haben, sondern er ist total verrückt nach ihm. Damit möchte er sich ein zweites Standbein auf Sizilien aufbauen.

Auf der einen Seite kann ich ihn schon verstehen, Sizilien ist eine Insel und da kann man nicht alles kaufen. Vor allem, wenn man etwas besonderes oder überhaupt etwas will, dass da nicht produziert wird, dann muss das vom Festland kommen.

Diese „ambulanti“ also Straßenverkäufer werden von Sizilianern gerne angenommen. Die platzieren sich irgendwo in freier Wildbahn und verkaufen Getränke, Arancini, Pannelle und sonstiges typisches sizilianisches Streetfood.

Ostern soll der Suppentopf nach Sizilien

Geplant ist, dass Francesco an Ostern nach Deutschland fliegt und wir den Suppentopf an mein Auto anhängen, dass scheint uns die günstigste und einfachste Methode zu sein.

Dafür benötigen wir allerdings ein italienisches Nummernschild für den Anhänger, das bis Ostern nicht fertig ist und er übrigens heute, also fünf Monate später immer noch darauf wartet.

Auch einen Autotransporteur der den Suppentopf nach Sizilien bringt ist nicht aufzutreiben und so bleibt Francesco nichts anderes übrig, als selbst den Suppentopf zu holen.

Die Frage aller Fragen – nur schnell nach Deutschland

Eines Tages kommt Francesco zu mir und sagt, dass es jetzt die Beste Zeit wäre, den Suppentopf zu holen, denn jetzt braucht man keinen Corona-Test mehr, die Preise für die Fähren sind noch recht günstig und überhaupt, bevor die Hochsaison los geht, ist es doch der ideale Zeitpunkt für diese Unternehmung.

Francesco fragt mich, ob ich ihm nur einen kleinen Gefallen tun könnte und mit ihm schnell nach Deutschland fahren, den Suppentopf zu holen.

Das Francesco nicht der Beste Organisator ist, dass ist mir bereits bekannt, aber das er eine regelrechte Katastrophe ist, dass werde ich bei unserem vermeintlich schnellen Trip nach Deutschland hautnah erleben.

Die Vorbereitung

Da der Jeep von Francesco meiner Meinung nach der ausgeleiertste  Geppel* auf ganz Sizilien ist, ist eine Fahrt damit nicht ganz ohne. Das er vor Abfahrt noch schnell TÜV macht, dass beruhigt mich nicht unbedingt. Denn das heißt nicht, dass deshalb abgefahrene Reifen, zu niedrig eingestellte Lichter, schlechte Bremsen und ein Rad das Schlaggeräusche von sich gibt, behoben werden. Zudem verliert das Auto Diesel und deshalb schafft es gerade noch 120 km/h bei Vollgas.

Es ist das Auto, bei dem der Motor von Giovanni vor zwei Jahren getauscht wurde. Giovanni ist ein junger Kerl ohne Ausbildung, er hat sein Wissen nur aus der Arbeit auf dem Schrottplatz gesammelt. Der Motor läuft zwar problemlos, aber so kleine Luxus-Dinge wie Klimaanlage, Bordcomputer und einige weitere kleine technische Details, funktionieren nicht mehr.

Francesco kümmert sich also um seine Dinge, ich hingegen kaufe noch Obst und Gemüse, Käse und Salami für meinen Sohn und Proviant für uns. Packe meinen Koffer und nehme noch eine Decke und ein Laken mit, diese will ich auf der Fähre benutzen, da die Kabinen meistens nicht sehr sauber sind. Und weil der Sitz im Auto schon so kaputt ist packe ich noch ein Kissen ein. Noch weiß ich nicht, dass all diese Dinge mir auf meiner Reise sehr nützlich sein werden.

Habe ich schon erwähnt, dass Francesco kein Ticket von Palermo nach Genua gebucht hat, nein es soll nur bis Neapel gehen, weil das günstiger ist. Auf der Rückfahrt bucht er die Fähre von Civitavecchia nach Termini Imerese – also wie gesagt, ein Organisationsgenie ist er nicht!

Und so beginnt unsere Höllentour

Sonntag

Die Fähre fährt um 20:15 Uhr ab Palermo, Francesco schafft es gerade um 18:30 Uhr los zu fahren, wohl wissend, dass wir bis zum Hafen knapp zwei Stunden brauchen.

Weit vor dem Flughafen von Palermo beginnt der Stau. Die Palermitaner kehren vom Strand nach Hause und die Straßen sind bis zum Stillstand verstopft. Aber nicht nur das bereitet uns Sorgen, die Bremsen des Autos blockieren immer wieder.

Als wir endlich um 21.15 Uhr im Hafen von Palermo ankommen, ist die Fähre schon längst nicht mehr da. Während Francesco mit einem Hammer gegen seine Bremsscheiben schlägt und hofft, dass sich die Bremsen lösen, löst sich wohl auch eine Idee in seinem Kopf. Er will die Strecke mit dem Auto fahren, es sind ja nur ca. 2.000 km bis zum Objekt der Begierde.

Also fahren wir los und schleichen mit 100 km/h an der Küste entlang in Richtung Messina.

Montag

Um etwa 0:30 Uhr sind wir am Fährhafen von Messina. Hier wollen wir auf die Fähre, die uns nach Italien hinüber bringt. Allerdings ist die nächste Abfahrt um 2 Uhr und wir haben das erste Mal die Gelegenheit uns etwas auszuruhen.

Draußen sind es immer noch über 30 Grad und im Auto vermutlich noch heißer. Deshalb wollen wir, in Italien angekommen, erst noch ein Stück fahren und dann eine Pause einlegen. Schließlich sind wir nicht darauf eingestellt, eine Nacht durchzufahren.

Die erste Nacht im Kofferraum

Um 3 Uhr machen wir also die erste Pause an einem Rastplatz. Die Kiste mit den sizilianischen Leckereien für meinen Sohn, meinen Koffer, Francescos Rucksack und das ganze Werkzeug welches er für sein Auto mitgeschleift hat packen wir nach vorne. Mit meiner Decke, dem Laken und meinem Kissen richte ich im Kofferraum des Jeeps einen Schlafplatz her.

Eigentlich hat Francesco das Auto geputzt, aber mir scheint, dass er den Kofferraum vergessen hat. Deshalb bin ich wirklich sehr froh an meiner Decke, die den Kofferraum doch ein kleines bisschen hygienischer macht.

Leider habe ich Probleme mit meinen Beinen, ich passe ausgestreckt einfach nicht in den Kofferraum. So lege ich mich quer von Ecke zu Ecke und der kleinere Sizilianer neben mir hat trotzdem Platz.

Italien scheint endlos

Nach zwei Stunden Pause und schlechtem, oberflächlichem Schlaf, fahren wir weiter. Italien scheint endlos, vor allem mit einem Gefährt, dass maximal 120 km/h fährt. Wir halten gelegentlich an um zu tanken, zu pinkeln und einen Kaffee zu trinken.

Bei Florenz fahren wir von der Autobahn ab, da Google Maps uns eine Zeitverzögerung von 4 Stunden wegen Stau voraussagt. Der Stau ist real, denn wir stehen schon mitten drin und der Tank zeigt bereits rot.

Schuld an diesem Stau ist nicht der Verkehr, sondern ich! Weil ich hin und wieder Maps benutze, um zu schauen wo wir sind. Es ist aber nicht so, dass ich sage welche Autobahn wir nehmen sollen, sondern Francesco bestimmt das. Also beschließe ich, dass er zukünftig selber schauen soll, wie er nach Deutschland kommt.

An einer einsamen Imbissbude halten wir an und Francesco fragt, wie wir am Besten den Stau umfahren können. Dort sitzt ein Bauer und isst gerade seinen Sandwich. Er beschreibt uns genau wo wir abbiegen müssen und sagt auch gleich dazu, dass die Strecke kurvig wird.

So fahren wir weiter und finden uns mitten in Wäldern und auf schmalen asphaltierten Straßen wieder. Francesco mault ununterbrochen vor sich hin und ist inzwischen so weit, dass er am liebsten umdrehen würde um dem Bauern eine Ohrfeige zu geben für seinen beschissenen Rat. Denn es ist inzwischen klar, dass wir den Apennin überqueren.

Die Schweiz ist in Sicht

Spät abends kommen wir an der Schweizer Grenze an. Die Zollbeamtin die gerade Dienst hat, sieht nicht gerade freundlich aus. Es ist eine kleine Frau, die ihre Haare zu Affenschaukeln geflochten hat. Das sind Zöpfe an der Seite geflochten, die wieder am Ursprung zusammen gebunden werden und so ein Schlaufe bilden, also Affenschaukeln.

Sie mustert uns, aber unser großes Glück ist, dass sie gerade Asiaten in der Mangel hat die ihr ganzes Auto ausräumen müssen. Ich kaufe so schnell es geht eine Schweizer Vignette und weiter geht’s, denn Francesco fühlt sich überhaupt nicht wohl, die Beamtin mustert ihn die ganze Zeit und der Jeep ist natürlich alles andere als vertrauenerweckend.

Nach Mitternacht kommen wir endlich am San Bernardino an und müssen feststellen, dass der Tunnel auf Grund von Arbeiten zwischen 22 Uhr und 5 Uhr geschlossen ist. Irgendwo im nirgendwo laden wir wieder einmal unseren Krempel vom Kofferraum auf die Vorderen Sitze und richten uns im Kofferraum ein.

Die Nacht ist kalt, draußen sind es gerade einmal 12 Grad und wir sind mit unseren kurzen Hosen nicht dafür angezogen. Wieder einmal bin ich froh an meiner Decke die ich dabei habe.

Dienstag

Die Kälte weckt mich auf und so fahren wir um kurz nach 5 Uhr endlich durch den Tunnel des San Bernardino.

Irgendwann, beim durchfahren von Österreich haben wir die 2.000 km Marke überschritten. Der Umweg in der Toskana schlägt mit 150 km mehr zu Buche.

Ich kann es fast nicht fassen, aber um 9 Uhr kommen wir am Ziel an und ich kann endlich meinen Sohn in die Arme nehmen. Allein dafür hat sich für mich die Reise schon gelohnt.

Wir fahren in meine Wohnung, duschen uns und fallen todmüde ins Bett. Aber so richtig gut schlafe ich nicht, die letzten Nächte haben meinen Rhythmus durcheinander gebracht und so wache ich bald wieder auf. Ich schaue auf die Uhr und erschrecke, es ist spät und ich wecke auch Francesco. Nachdem wir komplett wach sind stellen wir fest, dass meine Uhr falsch geht und wir gerade einmal zwei Stunden geschlafen haben.

In Deutschland läuft’s auch nicht besser

Nachdem wir nun schon wach sind, fahren wir los und besorgen uns etwas zum essen. Am Nachmittag fahren wir zum Autohändler und holen den Suppentopf ab. Da dieser aber nicht vom ihm selbst verkauft wird, sondern hier nur abgestellt ist, müssen wir zudem noch die Papiere beschaffen, die der Eigentümer immer noch nicht gebracht hat.

Den Nachmittag verbringen wir also damit, vorsichtshalber Lampen für den Suppentopf zu kaufen, die Kabel für das Licht zu reparieren, den Deckel des Suppentopfes von Gras zu befreien und das Auto mit Nützlichem zu laden. Francesco bekommt nämlich noch einen Backofen und einen Kühlschrank geschenkt, den wir nun in den Kofferraum laden.

Francesco der Asylant

Da die Fähre von Civitavecchia am Mittwoch Morgen um 7 Uhr abfährt, ist es fraglich, ob wir diese bekommen.

Während Francesco an jedem Ohr ein Handy hält und versucht das Ticket für die Fähre zu ändern, gruschtelt er bei der Nachbar Firma im Müll. Francesco gehört zu den Menschen, die alles brauchen können und Plexiglasreste scheinen brauchbar zu sein.

Es geht nicht lange, da kommt ein Mitarbeiter heraus und möchte ihm sagen, dass er hier nichts mitnehmen kann. Francesco versteht ihn nicht und der versteht Francesco nicht. Der Mitarbeiter scheint praktisch veranlagt zu sein und holt kurzerhand einen Asylanten aus dem Betrieb. Nun stehen sich ein Schwarzafrikaner und ein Sizilianer gegenüber und schauen sich an. Ich schaue derweil vom Balkon zu und amüsiere mich. Es ist nicht das erste Mal, dass Francesco fälschlicherweise als Asylant wahrgenommen wird.

Ergebnis: Francesco konnte weder Plexiglasreste ergattern, noch erfolgreich das Ticket ändern.

Bis wir also endlich alles zusammen haben und auch die Papiere des Suppentopfes in der Hand, ist es 20:30 Uhr geworden. Es ist definitiv zu spät um über die Schweiz zurück zu fahren, denn der San Bernardino Tunnel wird um 22 Uhr wieder geschlossen.

Schlechtes Wetter

Zwischenzeitlich hat es zu regnen angefangen und es regnet weiter bis fast nach Innsbruck. Auf der einen Seite sind wir froh, denn so hoffen wir auf weniger Verkehr und keine Polizei auf der Autobahn. Schließlich ist unser Gefährt auffällig und nicht gerade üppig beleuchtet.

Mit dem Suppentopf als Anhängsel und dem Regen sind wir nicht die Schnellsten. Um die Fähre in Civitavecchia zu erreichen, haben wir nur eine Stunde Puffer, die wir zum tanken und für Pinkelpausen benötigen. So dümpeln wir dahin, immer in der Hoffnung die Fähre zu erreichen.

Mittwoch

Inzwischen ist es Mittwoch geworden, als uns nachts um 2 Uhr irgendwo auf Höhe des Gardasee die Polizei verfolgt. Sie scheinen uns genau unter die Lupe zu nehmen und wir ahnen übles. Dann werden wir von der Autobahn geleitet, dürfen noch die Autobahngebühren bezahlen und dann stehen sie schon am Fenster. Noch schnell den Mundschutz hoch ziehen und schon heißt es, die Papiere bitte.

Aus zwei Polizisten werden vier, es gibt eine große Diskussion darüber, was wir alles verbrochen haben. Leider müssen wir feststellen, dass der starke Regen uns ein Rücklicht weggeschwemmt hat und das Nummernschild ist auch kaum mehr lesbar.

Drei der Polizisten scheint das alles ziemlich egal zu sein, aber der 4. ist so überengagiert, dass er uns unbedingt einen Strafzettel ausstellen muss. Aus einem dicken Buch versucht er eine gefühlte Ewigkeit die Strafsätze für unsere Vergehen herauszufinden.

Für fehlende Lichter, fehlende verlängerte Außenspiegel und eine ordentliche Markierung für die Überbreite des Suppentopfes gibt es eine Strafe von 170 €. Bei der Übergabe des Strafzettels betont er mehrmals, dass er extra den Satz außerhalb der Autobahn genommen hat, sonst wäre es noch teurer geworden.

Es stimmt schon, italienische Strafen sind so unterirdisch hoch, die haben mit den „Trinkgeldern“ in Deutschland wirklich nichts gemeinsam. Ich bin jedenfalls froh über die 170 €, denn ich hatte schon die Angst, dass sie uns gar nicht mehr weiter fahren lassen.

Da Francesco versichert hat, dass die Lichter bei Abfahrt funktioniert haben, bestehen die Polizisten darauf, dass wir nun wenigstens die Warnblinkanlage einschalten und so weiter fahren. Ich traue meinen Augen nicht, als ich sehe, dass diese tatsächlich zu blinken anfangen.

Eine weitere Auflage war, dass wir erst wieder bei Affi auf die Autobahn fahren dürfen, denn ab da sind diese vier Polizisten nicht mehr zuständig.

Endlich geht es weiter

So schleichen wir nun neben der Autobahn auf einer schmalen Landstraße weiter und uns ist klar, dass wir die Fähre niemals schaffen werden. Wir halten bei der nächsten Straßenlaterne an und bereiten den Suppentopf für die Weiterfahrt auf der Autobahn vor. Leider müssen wir feststellen, dass die Warnblinkanlage inzwischen weder beim Suppentopf noch beim Auto funktioniert, dass ist nun also auch noch kaputt.

Von meinem Bekannten bekomme ich ironischer Weise noch eine SMS in der er mich fragt, ob wir noch fahren, oder ob wir schon hinter Gitter sitzen? Also inzwischen ist für mich diese spaßig gemeinte Frage gar nicht mehr so abwegig.

Plattfuß

Da wir uns nun Zeit lassen können, halten wir für ein Schläfchen an und fahren dann weiter. Als wir etwa 250 km vor Rom sind legen wir eine Kaffeepause ein und müssen feststellen, dass der Suppentopf einen Plattfuß hat.

Glücklicherweise stehen wir neben der Tankstelle und können den Reifen problemlos aufpumpen. Francesco kauft sicherheitshalber einen Sprühschaum, den wir später noch dringend brauchen werden.

Wir haben schon Fans

Wie wir so auf der Autobahn dahin schleichen fahren immer wieder Autos vorbei die Fotos von uns und dem Suppentopf machen. Sie hupen und winken und es ist, als wenn sie uns Mut machen wollen durchzuhalten. Schlaftechnisch sind wir an unsere Grenzen gekommen, auch fangen wir langsam schon an zu müffeln. Bei 34°C Außentemperatur sind wir im Auto schon kurz vor dem gar werden, der Suppentopf hinter uns ist irgendwie ironisch.

Als wir vor Rom sind hupen dann nicht nur die Autofahrer, nein es sind auch LKW Fahrer die nun hupen. Uns ist das nicht mehr geheuer, irgend etwas muss doch am Suppentopf sein. Wir halten auf dem Seitenstreifen an und kontrollieren das Auto und den Suppentopf, aber wir finden nichts. Also fahren wir weiter und zählen nun eben auch die LKW Fahrer zu unseren Fans.

Endlich am Hafen von Civitavecchia

Gegen 14 Uhr kommen wir endlich am Hafen von Civitacecchia an. Wir fragen uns zum Ticketschalter durch. Schließlich haben wir mal wieder die Fähre verpasst, da der super Organisator Francesco keine Zwischenfälle eingeplant hat.

Weit kommen wir aber nicht, denn gerade als wir ansetzen um weiter zu fahren, werden wir schon wieder von der Polizei angehalten. Ich denke, jetzt ist es echt aus, die lassen uns mit diesem Suppentopf niemals auf die Fähre.

Francesco hat auch die Nase voll und erzählt den Polizisten frei weg die ganze Geschichte. Dann höre ich mit Schrecken wie Francesco erzählt, dass wir heute Nacht bereits einen Strafzettel erhalten haben. Ich denke nur, Oh Gott, dass hätte ich nun wirklich nicht erzählt. Der Polizist möchte bestimmt wissen, warum wir zwischenzeitlich nicht die ganzen Mängel beheben lassen haben. Aber nein, der römischer Polizist denkt ganz anders als ich.

Er möchte den Strafzettel sehen, schaut ihn sich genau und lange an und sagt dann: „Ok, in dem Fall stelle ich keinen weiteren Strafzettel mehr aus, ihr habt ja schon einen bekommen!“ Da bin ich echt platt!

Nachdem er uns noch ein Plätzchen am Rand des Hafens empfohlen hat, an welchem wir auch über Nacht stehen bleiben können, grüßt er und fährt davon.

Endlich Pause

Nachdem wir uns auf dem Parkplatz etwas eingerichtet haben, machen wir eine kurze Pause in der gegenüberliegenden Bar und beschließen, einen Abstecher an den Strand zu machen. Ein Bad haben wir dringend nötig.

Der Strand von Civitavecchia

Nach einigem suchen finden wir einen Strand der nicht so bevölkert ist, schließlich haben wir keine Badehose dabei und müssen in Unterwäsche baden. Bei unserem Glück möchten wir es unbedingt vermeiden, wegen eines öffentlichen Ärgernisses noch einmal von Polizisten vernommen zu werden.

Nachdem wir uns so gut es geht erfrischt haben, kaufen wir noch etwas Proviant ein, schließlich sind wir noch lange nicht zuhause.

Abends müssen wir wieder den Kofferraum als Lagerplatz herrichten. Nachdem wir dort inzwischen einen Kühlschrank, einen Backofen und sonstigen Krempel haben, müssen wir den Kofferraum erst einmal ausräumen. Wie bei den Zigeunern in Marsala steht nun sämtlicher Hausrat neben dem Auto. Die vorbeifahrenden Polizisten, Feuerwehrautos und sonstige Wachmänner haben sich aber schon an unseren Anblick gewöhnt und so werden wir auch weiter nicht mehr belästigt.

Donnerstag

Wir stehen früh auf, ein schnelles Frühstück in der Bar gegenüber und endlich auch eine Toilette. Der Ticketschalter öffnet um 7 Uhr, da müssen wir zudem schnell sein. Tags zuvor waren schon riesige Menschenmassen vor den geschlossenen Schaltern gestanden. Der Polizist erklärt uns, dass jeden Mittwoch und Donnerstag am Hafen das gleiche Chaos herrscht, denn da fahren die Schiffe nach Tunesien ab und die sind immer brechend voll.

Wir sind am Morgen also eine der Ersten die am Schalter dran kommen. Leider haben wir die Papiere vom Suppentopf nicht dabei und müssen zurück zum Auto die Papiere holen. Da der Hafen von Civitavecchia nicht der kleinste ist, haben wir echt eine Strecke vor uns und die Zeit drängt, denn um 9 Uhr ist Abfahrt.

Schon wieder ein Plattfuß

Am Auto angekommen stellen wir fest, dass der Suppentopf schon wieder einen Plattfuß hat, aber noch platter als am Tag zuvor. Der Anhänger steht echt auf der Felge. Also Kühlschrank, Backofen und Krempel einladen, Mini-Generator raus, Auto umparken und über den Zigarettenanzünder den Reifen aufpumpen. Nun endlich füllt Francesco den gestern gekauften Schaum in den Reifen, schließlich muss der bis heute Nacht zur Ankunft auf Sizilien halten.

Das letzte Ticket

Bis wir endlich soweit sind und wieder am Schalter stehen ist es bereits 8 Uhr. Glücklicherweise wird das verfallene Ticket vom Tag zuvor verrechnet und wir bezahlen nur noch den Aufpreis für den Suppentopf. Die Dame am Schalter sagt, dass wir das letzte Ticket bekommen haben. Welch ein Glück, ich will nicht noch eine weitere Nacht im Kofferraum verbringen. Wieder hasten wir zurück zum Auto und werden dann von einem Fahrzeug zum Schiff begleitet.

Weil wir so außergewöhnlich sind und die Römer alle so super nett und unkompliziert, dürfen wir mit dem überbreiten Anhänger als eine der letzten auf die Fähre und die wird wirklich voll.

Auf der Fähre

Um 10 Uhr sind wir endlich in unserer Kabine. Ich habe es schon erwähnt, dass Francesco so ein super Organisator ist, daher gibt es für uns eine Innenkabine ohne Fenster. Ich komme mir vor wie in einem Abstellraum. Aber nun gut, ich will auch nur duschen und schlafen und essen und schlafen. Das Schiff wird auch nicht in Palermo anlegen, sondern in Termini Imerese, was für uns eine noch längere Heimreise bedeutet als von Palermo aus.

Nachdem ich geduscht, geschlafen und gegessen habe und halbwegs wieder hergestellt bin, mache ich einen Rundgang in der Fähre und auf der Fähre. Ein Matrose erzählt, dass wir Verspätung haben werden, da wir zum einen zu spät abgelegt haben und es zum anderen starken Wind gibt. Beim Versuch auf dem Schiff ein Selfi zu machen, habe ich nicht nur damit Probleme, sondern alleine das Stehenbleiben ist schon eine Kunst für sich.

Ankunft

Endlich im Hafen von Termini Imerese angekommen, müssen wir uns beeilen. Wer als letztes auf die Fähre fährt, der muss als erster runter fahren. Schnell zum Auto und mein erster Blick gilt dem Reifen. Luft ist noch drin und diese sollte halten bis wir zuhause ankommen. Bevor wir uns auf den Weg nach Hause machen schalten wir noch unser Rücklicht am Suppentopf an. Da heißt es zuerst, Batterien und Klebeband im Gerümpel des Kofferraums suchen und die Batterien ins Batteriefach rein kleben, denn den Deckel des Batteriefachs haben wir inzwischen auch verloren.

In und um Palermo gibt es zwar viele Polizisten, aber für die sind wir zum Glück nicht interessant. Als wir endlich zuhause ankommen ist es bereits Freitag 2:30 Uhr.

Fazit

Mein Fazit dieser Reise ist, dass ich es mir zukünftig sehr genau überlegen werde, ob ich nochmal nur ein kleiner Gefallen tun werde! Außerdem überlege ich, ob ich Francesco nicht einen Orden für den schlechtesten Organisator von Sizilien verleihen soll.

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