Heute fange ich mir mein Mittagessen selbst

Mittagessen fangen ist etwas übertrieben, richtiger wäre „heute pflücke ich mir mein Mittagessen selbst“. Wenn ich mit meinem Francesco einen Spaziergang am Meer mache, dann kann es sein, dass er sich diese Muscheln von den Steinen pflückt, das Fleisch herausholt, kurz im Meerwasser schwenkt und ab in den Mund – roh! Ich bin einfach nicht am Meer aufgewachsen, mich schüttelt es immer wenn ich das sehe. Ich könnte diese Muscheln niemals roh essen. Zumindest war ich bis heute der Annahme, dass es Muscheln sind, aber wie immer ist man hinterher gescheiter.

Heute will ich diese Dinger auch mal probieren, sie heißen Patelle. Ständig sehe ich die Frauen und Männer am Meeresstrand in gebückter, suchender Position, also können diese Muscheln nicht so schlecht sein. Meine Nachbarin erzählte mir vor kurzem noch wie man sie zubereitet und das sie das ganze Aroma des Meeres in sich tragen. Also gut, dann will ich das auch mal kosten, aber gekocht.

Bevor es richtig heißt ist schnappe ich mir meinen Hund, einen Behälter und ein Messer und wir gehen so zusagen vors Haus. Die Patelle haben sich an ihre Umwelt angepasst, denn so einfach sind die gar nicht zu finden:

Patelle noch festgeklebt auf dem Stein

Es ist mühsam die Muscheln vom Stein weg zu bekommen, dass geht nur mit einem Messer oder mit einer leeren Schale dieser Muschel. Denn die saugen sich dermaßen fest, dass auch bei Ebbe und die anschließende stundenlange Trockenheit und Hitze auf dem Stein, denen nichts anhaben kann. Wenn man so eine Muschel umdreht, dann wird auch klar warum:

Eine Patelle mal von unten betrachtet

Da sieht man nämlich genau den Rand, der das Fleisch rund herum abdichtet und das Fleisch ist wie ein Saugnapf, der wirklich hält. Es ist auch eine Schinderei diese Dinger von den Steinen zu bekommen. Manche riesigen Exemplare schaffe ich gar nicht weg zu bekommen. So sehen sie von oben aus:

Patelle von oben betrachtet

Aber zwischenzeitlich habe ich einige gesammelt. Meinem Hund wurde es zu langweilig, nach einem morgendlichen Bad wäre er eigentlich schon wieder gerüstet gewesen nach Hause zu gehen. Zu seinem Glück und meinem Pech kommt eine Horde streunender Hunde an. Wir kennen uns bereits schon länger und sie freuen sich über meinen Hund und die Streicheleinheiten von mir. Der kleine, wilde Welpe meint es zwar gut als er meinen Becher ableckt, denn er hat ja keine Ahnung, dass er ihn mir umkippen könnte. So landen meine mühsam abgekratzten Patelle wieder im Meer, ausgerechnet zwischen dem Riff. Ich brauche fast so lange sie alle wieder einzusammeln, als das ich für das abkratzen gebraucht habe. Zum Glück sind das nicht die schnellsten und klammern sich nicht wieder an einem Stein fest.

Sicherheitshalber lasse ich das Mittagessen Francesco kochen, schließlich kenne ich mich damit nicht besonders gut aus. Ich hole meinen Fang ganz stolz aus dem Kühlschrank und was höre ich da – so kleine Dinger! Ja, die großen habe ich nicht weg bekommen und außerdem gab es von denen auch nicht so viele! Sein Tipp kommt leider etwas spät, ich hätte denen einen Schlag auf die Schale versetzen sollen, dann lassen die ganz einfach von selbst den Stein los. Aha, dass erfahre ich jetzt, nachdem ich zerschnittene Finger habe?

Egal, ich lasse ihn die Muscheln heraus popeln, denn das macht er ganz geschickt mit einer leeren Muschelschale:

So pult man das Fleisch aus der Schale

 

Die ausgelösten Muscheln werden noch  abgewaschen und mit einer Knoblauchzehe kurz in heißem Olivenöl geschwenkt, Tomatensoße, Salz und etwas Origano dazu und über die gekochten Spaghetti gegossen. Ein Schuss frisches Olivenöl und fertig ist das Mittagessen. Man sieht sie kaum noch, aber diese kleinen schwarzen Punkte, dass sind meine Patelle:

Spaghetti mit selbst gesammelten Patelle

Diese paar Dinger schmeckt man tatsächlich noch heraus und schmecken auch wirklich sehr frisch nach Meer, etwas gummimäßig zwischen den Zähnen, aber gar nicht so übel.

Als ich mit dem Essen fertig bin, interessiert mich dann doch, wie die Muscheln eigentlich auf Deutsch heißen. Ich schaue im Übersetzer nach und dann fand ich das Mittagessen plötzlich nicht mehr so lecker, denn ich habe Napfschnecken gegessen! Schnecken… 🙁

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