Marettimo ist schön, aber…

Marettimo ist schön, aber… Die Insel hat ihren Reiz, keine Frage. Aber für manchen Geschäftsinhaber hat der Tourist einen ganz anderen Reiz!

Marettimo ist schön, aber…

Vor genau drei Jahren war ich mit einer Gruppe auf Marettimo und wir hatten damals viele Wanderungen unternommen. Ich hatte Marettimo als tolles Erlebnis in Erinnerung. Nun ergibt sich wieder die Möglichkeit ein paar Tage nach Marettimo zu fahren und die Seele baumeln zu lassen, Wanderungen* zu unternehmen, oder einfach am Strand die Sonne genießen.

Anreise also mit kurzem Zwischenstopp auf Favignana und weiter geht’s nach Marettimo. Wir sind die Ersten, die das neu renovierte Apartment beziehen und dürfen noch den vollen „Duft“ der neuen und bisher unbenutzten Ikea Möbel inhalieren. Schon beim Betreten stellen wir fest, dass die Beschreibung der Buchungsplattform nicht mit der Wahrheit übereinstimmt, denn durch die automatischen Übersetzungen sind einige Missverständnisse entstanden. Die zwei bis drei Schlafzimmer entpuppen sich nicht als solche, sondern als zwei bis drei Schlafmöglichkeiten auf zwei Schlafsofas.

Wir wollen uns dadurch aber nicht die Erholung vermiesen lassen und machen uns auf in die nächste Bar zu unserem ersten Aperitif auf der Insel. Den ersten Abend verbringen wir bei leckerem Wein und gutem Essen und freuen uns auf den nächsten Tag, an dem wir eine Wanderung zu den Case Romane unternehmen möchten.

Leider ist das Wetter am nächsten Tag ziemlich stürmisch, sodass ich beim Wettervergleich mit Marsala feststellen muss, dass es dort wesentlich ruhiger zugeht. Dennoch gehen wir zum Bäcker, um uns ein Vesper zu kaufen. Hier erleben wir das erste Mal das, was uns die nächsten Tage noch des Öfteren passieren wird.

Case Romane

Das Geld wird dem Touristen aus der Tasche gezogen

Die Preise werden nach Lust und Laune gemacht. Derjenige der soweit Italienisch spricht*, dass man sich auch auf Italienisch wehren könnte, der kommt meistens besser davon, als der wehrlose Tourist, der die Sprache nicht spricht. Ihm wird das Geld regelrecht aus der Tasche gezogen.

Es passiert uns aber nicht nur beim Bäcker, nein auch in der Bar, im Restaurant und hier möchte ich ausdrücklich vom „Il Pirata“ warnen. Dort werden zu einem Aperitif großzügig Häppchen serviert, die nicht bestellt sind und selbst nach wiederholter Aufforderung nichts zu bringen, hinterher großzügig abkassiert werden.

Ich kann ja verstehen, dass nach zwei Jahren Pandemiegedöns und abwürgen des Geldverdienes wieder Flüssiges in die Kasse muss. Aber auf diese Art und Weise ist es nicht nur unverschämt, sondern regelrecht so, dass man fast zu dem Schluss kommt, einmal und nie wieder Marettimo*.

Das Verhalten wird auch nicht wett gemacht durch die Freundlichkeit der Unschuldigen, nämlich der anderen Bewohner, die jedes Mal freundlich grüßen und man sich bereits am ersten Tag so vorkommt, so als wäre man ein Alteingesessener der Insel. Auch sie kennen das Verhalten von einigen Geschäftsleuten, die die Touristen gerne bescheißen und finden das gar nicht in Ordnung. Sie geben aber auch offen zu, dass sie am Anfang der Saison noch gerne mit den Touristen sprechen, was aber zur Mitte der Saison schwer nachlässt und sie zum Ende der Saison gar sprachlos werden. Klar, Touristen können anstrengend sein und immer das Gleiche erzählen ist auch noch langweilig.

Strände und Buchten die zum Baden einladen

Die Insel hat ihren Charme

Das Inselchen ist ansonsten wirklich hübsch, sie hat ihren Charme, da gibt es gar nichts. Außerdem ist sie für Wandertouren bestens geeignet. Es gibt Touren von knapp einer Stunde Dauer bis zu einer Dauer von mehreren Stunden, und zwar mit richtigen Wanderschuhen*, nicht mit Badeschlappen*. Diese Pfade mit Flip Flops* zu gehen, davor wird ausdrücklich auch auf den Schildern gewarnt. Berauschende Fotos können nicht nur unterwegs geschossen werden, sondern nahezu bei jedem Schritt, den man auf der Insel macht.

Wer keine Lust auf Wanderungen hat, der kann sich an einen der zahlreichen Strände legen, die aber über keinen Sand verfügen, sondern meistens nur über Kiesel. Bis auf einen Strand am Porto Vecchio, ist ein Zugang mit Kinderwagen unmöglich, da viele der Strände meistens unterhalb eines steileren Abhangs liegen.

Auch die Bootstouren, die angeboten werden, um die zahlreichen Höhlen, die sich um Marettimo befinden anzuschauen, sind wirklich sehenswert. Was an den Höhlen so besonders ist, dass habe ich bereits hier erklärt.

Die Vegetation der Insel ist toll und auch der Reiter, der morgens mit seinen Eseln auf die Weide reitet ist eine Sehenswürdigkeit und auch etwas davon, was der Insel ihren Charme verleiht. Die Hunde laufen frei herum und kehren meistens nur abends zum Fressen nach Hause zurück, das ist wirklich ein richtiges Hundeleben.

Nachts ist die Insel sicher, sämtliche Fahrräder der Einwohner stehen vor der Haustüre und meistens stecken die Hausschlüssel auch außen an der Türe. Es wird nichts gestohlen, die Einwohner vertrauen sich.

Aber nicht nur die Freizeitaktivitäten auf der Insel sind vielseitig, auch das Geschäftsleben ist es. Abgesehen von den drei Bars und etwas mehr Restaurants, die es gibt, gibt es auch eine Apotheke, eine Post mit Bankomat, eine Polizeistation, eine Bäckerei, einen Minimarkt und mehr als ein Geschäft für Nippes. Aber für dieses kleine Inselchen ist wirklich alles da, auch wenn die Preise entsprechend hoch sind. Zum Beispiel kostet im Minimarkt eine Flasche Wasser, mit 2 l, 80 Cent. Wer sparen möchte, der kann den Obst- und Gemüsemarkt am Dienstagvormittag vor dem Restaurant „Il Veliero“ besuchen.

Das Leben auf der Insel Marettimo

Nicolò il Comandante

Preise hin oder her, einkaufen muss man trotzdem mal. Der Minimarkt hat ein Schild draußen hängen, mit der Info, dass der Laden um 16 Uhr öffnet. Außerdem hängt noch ein Schild darunter, dass er in 10 Minuten wieder da ist. Tut er aber nicht! Der Ladenbesitzer erklärt später, dass er im Sommer erst um halb fünf aufmacht, aber keine Lust hatte ein neues Schild zu drucken. „Was soll’s“, sagt er, „eine halbe Stunde hin oder hermacht doch nichts!“

Ich bin aber nicht die Einzige die wartet, mit mir wartet noch Nicolò, so stellt er sich mir jedenfalls vor. Er erzählt mir, dass er von den allerersten Einwohnern von Marettimo abstammt. Sie waren es, die die Kirche gebaut haben, und zwar vor irgendeinem anderen Haus aus der Insel. Dort haben sie gewohnt, geschlafen und gekocht. Mit der Zeit wurden es immer mehr und man hat angefangen Häuser zu bauen. So wuchs das kleine Marettimo langsam weiter bis auf seine heutige Größe.

An der Seitenwand der Kirche haben viele Menschen ihre Dankbarkeit der Insel gegenüber zum Ausdruck gebracht und diese auf unterschiedliche Weise auf Fliesen verewigt. Ein Gedicht hat mir besonders gut gefallen:

Die Verabschiedung
ich liebte die unbewohnte Insel
das Nest des Windes und der Möwe
die Blüte der Myrte, Wacholder, Rosmarin
Geliebte Tochter des Meeres,
aber wenn das Land sein muss,
lass es wie Marettimo sein
Trauben aus Häuser und Terrassen
schwebend zwischen Wolken und Meer
Königreich der hundert Menschen
Trugbild des Friedens am Himmel
während das Schiff zurückweicht

Die Kirche mit ihren bunten Fliesen

Und die Moral von der Geschicht‘

Wenn keine Preise angegeben sind, am besten vor dem Kauf nachfragen wie viel der Artikel kostet und gegebenenfalls den Verkäufer darauf hinweisen, dass die Rechnung nicht stimmt.

Beispielsätze:

Entschuldigung, wie viel kostet das?Mi scusi, quanto costa?
He, willst du mich bescheißen?Ehi, stai cercando di fregarmi?
Sie haben sich verrechnet, die Rechnung stimmt nicht.Lei ha sbagliato, il calcolo non è corretto.
Das haben wir nicht bestellt.Non l’abbiamo ordinato.
Das Restgeld stimmt nicht.I soldi del resto non vanno bene.
Ich kann rechnen!Io so contare!
Das kannst du mit Anderen machen, aber nicht mit mir!Puoi farlo con altri, ma non con me!

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