Recycling auf Sizilianisch

Recycling – wenn’s um Plastik, Glas und Restmüll geht, dann ist Sizilien das „Afrika in Europa“ und nicht nur in diesem Fall. Wenn man im Moment durch die Straßen, hier in der Gegend fährt, dann kann man diese Bilder sehen:

Müll, soweit das Auge reichtEs ist ganz egal, ob man in Marsala, Mazara del Vallo oder durch die Städte fährt, die von den Touristen nicht so besucht werden, überall das gleiche Bild:

Müll am Meter und das nicht nur an einer Stelle

Ich mache diese Bilder vom Auto aus, ich habe keine Lust auf den Kontakt mit Ratten und dergleichen. Die Sizilianer haben es immer noch nicht begriffen, sie haben ein Müllproblem! In Kürze wird es wohl zum Kollaps kommen, denn die Mülldeponien sind voll und die Politiker haben keine Lösung. Die Menschen essen immer noch auf Plastiktellern und tun so, als ob es diese Probleme nicht gäbe.

Aber es gibt doch etwas gutes zum Thema Recycling zu berichten. Entstanden, aber nicht aus dem Gedanken die Umwelt zu schützen, nein, entstanden aus finanzieller Not heraus. Trotzdem eine super Sache, die eigentlich ein guter Anfang wäre, der Autofriedhof:

Der Autofriedhof, Lieblingsplatz vieler Sizilianer

Schon der Platz, an dem sich der Autofriedhof befindet ist ein „recycelter“ Platz. Nämlich in einem alten Steinbruch, in dem früher der Tuffstein abgebaut wurde.

Ich war mit meinem Uralt-Golf in der Werkstatt, mein Bremslicht leuchtet ständig und ich muss auch immer Öl nachfüllen. Dort sagte man mir, geh zum Schrotthändler, dort holst dir das Teil, wenn du es hast, dann kommst wieder her. Ich (deutsches Qualitätsdenken…) beim Schrotthändler?? Soll ich das Teil nicht neu kaufen? Antwort war klar und eindeutig: „Nein, das kostet zu viel, mindestens 200 €, beim Schrotthändler bekommst du es für 20 €“. Also gut, dann fahre ich zum Schrotthändler.

Ich war ja schon überrascht, der war wirklich fein säuberlich sortiert, so ganz anders als im Moment der Straßenrand:

Hier wird nicht nach Marke sortiert, sondern nach ErsatzteilEs scheint der Lieblingsplatz der Männer zu sein. Hier herrscht großer Andrang und an jeder Ecke wird geschraubt. Ich bin die einzige Frau hier und damit ich für mein Auto auch das richtige Teil bekomme, muss ich mit dem Auto vorfahren. Sie schauen sich das Teil genau an und mir wird gesagt, komm in einer Stunde wieder, wir bauen das so lange aus.

Gesagt, getan, ich gehe so lange eine Granita essen. In dem Steinbruch ist es ja auch unerträglich heiß. Beim raus fahren sehe ich, es gibt noch eine andere Art des Recyclings hier. Nebenan gibt es ein Geschäft, dort kann man gebrauchte Reifen kaufen. Auf dem Schild steht: „Reifen, gebraucht und neu zum niedrigen Preis“:

Wohl gemerkt, gebrauchte Reifen, keine runderneuerten!

Ich weiß nicht, ob ich mir diese gebrauchten, Reifen kaufen würden, sind ja nicht mal runderneurt. Denn ich sehe an anderen Autos, dass hier die Reifen erst gewechselt werden, wenn schon das Metallnetz raus schaut. Außerdem, wer weiß wie lange die schon in der Sonne gegart wurden:

Auch hier herrscht Ordnung, scheinbar zumindest

Nach einer Stunde bin ich zurück, mein Teil ist ausgebaut. Der Schrotthändler sagt mir, mein VW sei ein in Deutschland gebautes Auto und so eines hätten sie hier nicht, nur einen VW der in einem anderen Land gebaut wurde. Ich solle das Teil nehmen, wenn es nicht passt, dann kann ich es wieder zurückbringen. Kostenpunkt: 10 €!

Und das ist mein heiß ersehntes Ersatzteil, ein Bremssattel. Nicht mehr ganz neu, aber noch funktionstüchtig:

Der ausgebaute Bremssattel, sieht fast, aber nur fast aus wie neu!

Stolz wie Otto fahre ich mit meinem Teil in die Werkstatt, schließlich hat der Schwabe ca. 190 € gespart und das ist doch schon was. Hier wird mein Teil fachmännisch eingebaut, dafür bezahle ich 35 € und nun kann ich wieder bremsen, obwohl die Hupe hier das wichtigste Teil am Auto ist 😉

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