Schäfer und Ricotta

Schäfer und ihre Herden gehören auf Sizilien zum täglichen Bild wie die Zitronen am Zitronenbaum. Die Schäfer ziehen mit ihren Herden von Weidefläche zu Weidefläche und werden teilweise sogar von den Eigentümern gerufen, um mit ihren Herden die Weiden abzugrasen, oder einfach Flächen von ungewünschten Gewächsen zu befreien.

Ein Schäfer weiß einfach alles, er kommt in der Gegend herum, spricht mit den Menschen und kennt den letzten Winkel in seinem Gebiet. Aber zur Tradition gehört es auch, dass ein Schäfer niemals über das spricht was er gehört oder gesehen hat.

Im Bild unten: Strandspaziergang mit Schäfer und Schafsherde, begleitet von ihren treuen Hunden:

 

Schafherde auf dem Weg zur nächsten Weidefläche

 

Und oft sind auch die gefräßigen Ziegen dabei, die einfach alles fressen. Bekanntlich schmecken die verbotenen Blumen am Besten:

 

neugierige Ziegen in der Schafsherde

 

Oft wird diese Tradition auch heute noch an die Söhne weitergegeben. Es ist nicht unbedingt so, dass die Schäfer bei ihren Herden schlafen, sondern bringen ihre Herden abends in den Stall und sie selbst gehen nach getaner Arbeit nach Hause und schlafen dort. Die Schäfer stellen den Käse auch selbst her, sie können wesentlich mehr als nur Schafe hüten.

Wenn man Abseits der Hauptstraßen unterwegs ist und an der Straße ein Schild mit „Caseificio“ sieht, also eine Käserei, sollte man unbedingt anhalten. Tagsüber wird aber vermutlich niemand da sein, besser zu später Stunde nochmal vorbei schauen und dann lecker und günstig einkaufen.

Mir persönlich schmeckt der frische, noch warme Ricotta besonders gut. Wenn man Glück hat, dann wird er direkt im Laden hergestellt und noch warm verkauft. Ich hatte Glück und durfte vom Schäfer, in seiner traditionellen Festtagskleidung, auch ein Bild machen:

 

frisch hergestellter Ricotta

 

Ricotta muss aber nicht unbedingt aus Schafsmilch hergestellt sein, er kann auch aus Kuhmilch hergestellt werden, dass wäre dann die billigere Variante. Wobei die Schafsmilch dem Ricotta den unverwechselbaren Geschmack gibt. Die Herstellung ist einfach, die Milch wird erwärmt, durch die Zugabe von Zitronensäure trennt sich die Molke vom eigentlichen Ricotta. Wenn der Ricotta fertig ist, wird er mit einer Schöpfkelle entnommen und hinterlässt diese „Molke Pfützen“, wie im Bild zu sehen.

Meine Empfehlung: Unbedingt probieren! Der Ricotta wird entweder zu frischem Brot gegessen, oder unter die gekochten Nudeln gemischt – einfach, aber sagenhaft Lecker!

Und weil der Ricotta für die Sizilianer eine überaus wichtige Bedeutung hat, wird er für unzählige Süßspeisen verwendet, unter anderem für die berühmten und beliebten Cannoli. Aber davon werde ich in einem der nächsten Beiträge berichten.

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