Tomaten trocknen auf sizilianische Art

Wer kennt sie nicht, die leckeren getrockneten Tomaten, die einem auch noch im Winter einen Hauch von Sommer geben. Damit wir im Winter aber auch in den Genuss kommen, muss man sich im Sommer an die Tomaten machen. Hier auf Sizilien, zumindest in Westsizilien, verwendet man für das Trockengestell Schilf. Über das Schilf werde ich aber später noch einen ausführlichen Artikel schreiben. Schilf deshalb, weil es den hier in der Gegend in rauen Mengen gibt und die Menschen einfach das nehmen was nix kostet und eh da ist. Ein weiterer entscheidender Faktor ist, in dieser Salzhaltigen Luft am Meer rostet Metall sehr schnell und dieses Gestell kann man dann auch über Jahre verwenden.

Also mache ich mich auf den Weg, mit Säge und Gartenschere bewaffnet, auf das verlassene Grundstück nebenan. Hier suche ich mir den Schilf mit den bereits abgetrockneten Blättern aus. Schneide den in einer Höhe von ca. 1,50 m ab, bzw. säge die dicken Stängel ab und befreie ihn von den trockenen Blättern. Dass ist die Basis und dass sieht dann so aus:

Gesäubertes Schilf auf 1,5 m abgeschnitten

Nun verbinde ich mit Kunststoffbast die Schilfstangen. Rechts und links werden jeweils zwei Stangen zum festbinden der Querstangen verwendet. Hier das Ergebnis:

Auflage zum trocknen der Tomaten aus Schilf

Im nachfolgenden Bild noch das Gestell von der Rückseite, da sieht man die Längsstangen aus der Nähe. Nun wird auch deutlich warum zwei Stangen verwendet werden. Zum einen wird die ganze Sache stabiler und zum anderen kann besser gebunden werden:

mit Bast verbundenes Gestänge aus der Nähe betrachtet

So, und nun gehts an die Tomaten! Normalerweise nimmt man zum trocknen die Sorte San Marzano. Ich möchte aber lieber die kleinen, runden mit dem spitzen Popo und wesentlich süßeren Tomaten, diese heißen hier Pizzitelli. Da es aber angeblich über 2.500 verschiedene Tomaten Sorten gibt, hier ein Bild meiner Wahl-Tomaten:

Tomaten der Sorte Pizzitelli

Die Tomaten werden vom Grünzeug befreit, gewaschen, abgetrocknet und der Länge nach halbiert. Dann sucht man sich ein sonniges Plätzchen, an dem die Sonne möglichst den ganzen Tag die Tomaten bescheinen kann und verteilt die Tomaten auf das Trockengestell. Wichtig!, jede Tomate muss nun mit Salz bestreut werden, am Besten feines Meersalz nehmen, da das Salz den Trocknungsprozess fördert. Meine 3 Kilo Tomaten sind nun bereit für die Sonne:

Tomaten zum trocknen ausgelegt

Die Tomaten werden nun mit einer Gaze, oder einem anderen Schutz abgedeckt, denn wir wollen ja später Tomaten haben, die nicht von Fliegen und sonstigem Ungeziefer belagert worden waren. Ich habe mich für ein Fliegengitter aus Draht entschieden, einfach aus dem Grund, die Tomaten müssen nachts abgedeckt werden, damit sie vor der Feuchtigkeit geschützt sind und so berührt die Plastiktischdecke, die ich verwende, die Tomaten nicht. Hier die Ansicht von der Seite:

Fliegengitter als Schutz gegen Insekten

Damit das Gitter auch hält und nicht auf den Tomaten aufliegt habe ich es einfach an den Ecken fest getackert und zurecht gebogen. Nun heißt es warten…

Am zweiten Tag der Trockenzeit ist mir aber klar geworden, warum die Sizilianer diese San Marzano Tomaten verwenden. Die Tomaten werden durch das Trocknen ja immer kleiner und bei diesem Gestell fallen sie, je kleiner sie werden, durch die Schlitze. Denn das Schilf ist ja in den seltensten Fällen Kerzengerade gewachsen, darum liegt auch nicht ein Stängel am Anderen an. Die Tomaten zwischen den Schlitzen heraus zu fischen war schon eine elendige Fummelei. Da man hier alles Mögliche trocknet, werde ich dieses Gestell für die Feigen und Aprikosen verwenden, die in kürze reif sein werden und für die Tomaten einen Rahmen bauen, den ich dann mit Fliegengitter bespanne.

Wer kein Schilf hat, der kann sich aus Holzleisten einen Rahmen bauen oder einfach einen alten Fensterrahmen dafür verwenden. Am besten mit Fliegengitter bespannen und fest tackern und schon ist das Ding fertig.

Derjenige der keinen Garten hat oder einfach keinen Platz, um Tomaten zu trocknen, der kann das auch im Backofen machen. Hier das Rezept für getrocknete Tomaten im Backofen die anschließend in Öl eingelegt werden:

Zutaten:
1 kg rote Tomaten vom Typ San Marzano
1,5 Liter Weißweinessig
1 Liter Wasser
feines Meersalz
1 Liter bestes Olivenöl

Zubereitung:

  1. Backofen auf 90°C vorheizen, derweil die Tomaten waschen und abtrocknen, längs halbieren und die Tomaten auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech, mit der Schnittseite nach oben, legen. Die Tomaten mit Salz bestreuen, in den Backofen schieben und den Backofen auf 75°C zurück schalten.
  2. Die Tomaten so lange im Backofen lassen, bis sich auf der Schnittfläche eine weiße Haut gebildet hat. Dann das Blech aus dem Ofen nehmen, die Tomaten wenden und wieder zurück in den Ofen schieben. Ab dann die Tomaten ca. alle 3 Stunden wenden.
  3. Die Tomaten bleiben im Ofen bei 75°C, bis sie ihr Wasser verloren haben, dass dauert ca. 12 Stunden.
  4. Wenn die Tomaten dann soweit getrocknet sind, wird in einem Topf das Wasser mit dem Essig aufgekocht und die Tomaten werden darin ca. 5 Minuten geköchelt.
  5. Anschließend, die Tomaten gut abtropfen lassen, mit einem Tuch abtupfen und über Nacht trocknen lassen.
  6. Am anderen Tag werden dann die Gläser mit den Tomaten befüllt und mit Olivenöl übergossen. Ruhig die Tomaten etwas ins Glas pressen und schauen damit keine größeren Luftblasen enthalten sind.
  7. Die Tomaten lässt man nun an einem dunklen Ort für mindestens 20 Tage ziehen. Dann sind sie fertig und können gleich gegessen werden.

Die in Öl eingelegten Tomaten können je nach Geschmack, mit sämtlichen Kräutern gewürzt werden, z. B. Pepperoncini, Knoblauch, Rosmarin usw.

Wer die Tomaten aber nicht in Öl einlegen möchte, der kann sie auf einem Faden auffädeln und in einem trockenen und gut durchlüfteten Raum aufbewahren,  einfrieren oder gleich essen.

Und so sehen meine, in der Sonne getrockneten Tomaten, nach exakt 4,5 Tagen aus:

In der Sonne getrocknete Tomaten

Ich kann euch sagen, die sind sooooo lecker! Da kann keine Trockentomate aus dem Supermarkt mithalten.

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