Warum wird ein betrogener Mann als „Cornuto“ bezeichnet?

Heute möchte ich mal ein wichtiges Wort für den nächsten Sizilien-Urlaub erklären, dass auf keinen Fall mit einem Cornetto verwechselt werden darf. Das Cornetto ist die bekannte Eistüte in den Geschmacksrichtungen Nuss oder Erdbeere. Ein einziges Wort, welches bei einem Mann eine Reaktion auslöst, die man besser nicht erleben möchte, dass kann man mit dem simplen Wort „Cornuto“ erreichen.

„Cornuto“ bedeutet übersetzt, die Hörner aufgesetzt bekommen, also der Gehörnte.

In demselben Augenblick, in dem ein Sizilianer als Cornuto bezeichnet wird, wie also jemand mit dem typischen Zeichen von erhobenem Zeigefinger und erhobenem kleinen Finger, also so…:

Das Symbol für "Cornuto", also den betrogenen Mann

 

…findet in dem Mann eine Verwandlung statt, die man besser aus der Ferne betrachtet. Denn die Venen beginnen zu quellen, die Nasenflügel fangen an zu zittern, die Lippen verzerren sich, das Schauspiel der Verwandlung eines Sizilianers beginnt. Ja, das Wort Cornuto ist für den Sizilianer eine große Beleidigung.

Die Geste als Zeichen für den „Gehörnten Mann“ ist aber nicht nur die Tatsache, dass der Mann betrogen wurde. Hier wird der Ehemann in mehrerlei Hinsicht ehrlos dargestellt. Denn er war nicht in der Lage seine Frau vor den Annäherungsversuchen anderer Männer zu beschützen, sein Alleinrecht auf seine Frau geltend zu machen und damit ihre Keuschheit zu gewährleisten und seine Domäne zu verteidigen. Gleichzeitig war er nicht in der Lage andere Männer zu dominieren was die Vermutung offen lässt, dass er sexuell nicht in der Lage dazu war. Er hat kurz gesagt, auf ganzer Linie versagt. Nun wird auch deutlich, warum diese Geste so eine immense Bedeutung hat.

Allerdings ist zu erwähnen, dass diese Geste auch als magisches Abwehrzeichen gegen den bösen Blick benutzt wird.

Woher diese Geste mit ihrer Bedeutung tatsächlich kommt, dass ist fast unlösbar. Eine Vermutung der Herkunft kommt aus der römischen Zeit. Hier galt der gehörnte Mann nämlich als derjenige, der Stärke und Macht vertrat. In der Antike waren sie sogar ein repräsentatives Schmuckstück. Die Götter wurden mit Hörnern dargestellt. Sogar Michelangelos Moses ist mit Hörnern vertreten:

Mosé von Michel Angelo, auch er hat Hörner

(Bild Wikipedia – Dino Quinzani from Brescia, Italy – Mosé)

Die Geschichte aus dieser Epoche ist diese: Andronikos war der älteste Sohn des Kaisers Michael VIII. Ihm wird nachgesagt, dass er nicht nur ein unfähiger Kaiser war, sondern auch eine schwächliche Person die unter Verschwendungssucht litt. Nichtsdestotrotz war er ein Weiberheld und nahm sich die Frauen, notfalls auch mit Gewalt, unabhängig davon, ob sie verheiratet waren oder nicht. Er ließ angeblich sogar die Ehemänner der begehrten Frauen inhaftieren, um bequem an sein Objekt der Begierde zu kommen. Anschließend ließ er die Köpfe von Tieren mit Hörnern an ihren Häusern anbringen. Damit demonstrierte er seinen Triumph und seine Stärke. Aus diesem Grund, so sagt man, ist der Ausdruck „Hörner aufsetzen“ geboren.

Auch wenn der Mann seine Frau betrogen hat, sagt man, „er hat seiner Frau die Hörner aufgesetzt“ oder einfach „Cornuta“.

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