Was passiert, wenn ein sizilianisches Auto ein deutsches Auto rammt?

Als ich mal wieder nach Deutschland fliege, parke ich mein Auto auf dem Flughafen in Palermo. Als ich zurück komme und zum Auto laufe, da habe ich schon ein komisches Gefühl. Bevor ich meinen Koffer ins Auto einlade, laufe ich erst um mein Auto herum, um zu schauen, ob mein Gefühl Recht hat. Und was sehe ich da voller Schreck? Eine tolle Schramme! Die Türe und der Kotflügel der Beifahrerseite sind demoliert, unter dem Auto liegen Plastikteile des Verursachers, weiße Farbe hängt bis am Türgriff. Mich packt echt die Wut! Da bezahle ich über 60 € für 5 Tage parken und dann das!

Mein Willkommensgeschenk am Flughafen in Palermo

Also, Koffer ins Auto und erst mal auf dem Ticket schauen, ob da eine Telefonnummer des Parkplatzbetreibers steht. Fehlanzeige! Auf der Straße gegenüber steht ein Taxi, ich frage den Fahrer, ob er mir sagen kann, wo ich den Betreiber des Parkplatzes finde, schließlich ist es kein privater Anbieter, sondern der Flughafen selbst. Er ist sehr freundlich und sagt, dass er für mich jemanden anruft, der ihm wiederum sagt, dass ich am Auto warten soll.

Da stehe ich nun in meiner Winterkluft noch aus den kalten deutschen Gefilden und schwitze mir in der warmen sizilianischen Herbstluft einen ab. Ah, dann sehe ich zwei Typen kommen, die gucken sich mein Auto an, drehen sich im Kreis, suchen die Kamera und sagen: „Ja, eine Kamera gibt es, aber ob man da was sieht?“ nächster Satz: „Ja aber, der Parkplatz ist nicht bewacht.“ Hä wie? frage ich. Der Parkplatz ist nicht bewacht und dafür habe ich so viel Geld bezahlt? Sie wiederholen ihre Aussage mit ja, nein, der Parkplatz ist nicht bewacht.

Dann latschen sie davon und sagen mir, dass sie den Chef holen. Ich schaue ihnen nach und frage mich, was die eigentlich hier wollten, frische Luft schnappen? Zwischenzeitlich mache ich Fotos vom Schaden. Dann kommt ein älterer Herr, sehr freundlich, schaut sich auch den Schaden an und wieder der gleiche Satz – der Parkplatz ist nicht bewacht. Mich ärgert das schon und ich fange mit dem zu diskutieren an und dann sehe ich ihn! Ein winzig kleiner, schon vom Regen zerfledderter Zettel, klemmt unter meinem Scheibenwischer. Ich ziehe ihn hervor und da steht’s, eine Telefonnummer und die Überschrift „für den Schaden“. Wie peinlich! Da mache ich so einen Terz und die Person hat mir sogar eine Telefonnummer hinterlassen.

Ich bedanke mich bei dem Signore und verabschiede mich schleunigst. Zuhause ruft mein Freund bei dieser Nummer an. Ich habe den Eindruck, dass es auf Sizilien immer noch besser ist, wenn für wichtige Dinge Sizilianer mit Sizilianern sprechen. Sobald einer meinen deutschen Dialekt hört, dass habe ich nicht nur einmal erlebt, dass dann gesagt wird, „ihr Deutschen habt ja Geld“. Ja, ja, blabla, immer das Gleiche! Deutsche haben Geld und hatten Hitler, dass ist auch so eine Aussage die mich sofort auf 180 katapultiert. Also ruft mein Freund an und am anderen Ende meldet sich eine Frau. Sie gibt sofort zu, mein Auto ramponiert zu haben und erzählt, dass ihr Auto wesentlich schlimmer aussieht. Sie wäre nicht richtig aus der Parklücke raus gekommen! Hat man da noch Töne? Außerdem möchte sie die Daten von meiner Versicherung haben. Ich werde sofort hellhörig, warum von meiner Versicherung? Sie ist mir doch ins Auto gefahren.

Sie schickt mir nach dem Gespräch ihre Daten der Versicherung per Whatsapp, aber alles nur halblebig sichtbar und einen Namen habe ich von ihr immer noch nicht. Mir gefällt die Sache gar nicht. Ich rufe gleich bei meiner Versicherung an und erzähle die Geschichte. Mein Versicherungsmensch in Deutschland haut in die gleiche Kerbe und sagt, „Ohjemine Italien! Das können Sie abschreiben, da haben wir schlechte Erfahrungen gemacht und dann noch auf Siziliiiiilien!“ Das i von Sizilien zieht er so in die Länge, dass mir noch mulmiger wird. Vor meinem inneren Auge rattern die Dollarzeichen ins unendliche.

Ich lasse meinen Freund nochmal anrufen, neues Foto der Fahrzeugdaten, Name dieser Frau, das ganze pipapo muss her. Sie sagt, dass sie es morgen ihrer Versicherung melden wird und mir dann das Formular für die Werkstatt zukommen lässt. Vier Tage vergehen und kein Lebenszeichen. Ich google ihren Namen und siehe da, sie arbeitet sogar bei dem Parkplatzbetreiber, na was sagt man denn dazu! Da mir die ganze Sache überhaupt nicht gefällt und mir die Worte meines Versicherungsmenschen noch in den Ohren klingeln, muss mein Freund nochmal bei ihr anrufen. Die Frau entschuldigt sich, sie wäre auf einer Schulung und würde mir die Unterlagen schicken sobald sie zuhause wäre.

Dann geht alles schnell. Sie schickt mir das Formular ihrer Versicherung, damit gehe ich in die Werkstatt. Giuseppe ist sehr zuvorkommend und sagt, dass er alles für mich regelt, auch dass mit der italienischen Versicherung. In Italien ist es nämlich anders als in Deutschland. Hier bezahlt die Versicherung des Verursachers an die Versicherung des Geschädigten und die überweist es an den Geschädigten. Deshalb wollte die Dame also die Daten meiner Versicherung. Bei mir funktioniert das aber wieder anders, da mein Auto in Deutschland versichert ist, aber das regelt alles Giuseppe für mich. Ich muss noch einmal in die Werkstatt fahren, da der Versicherungsmensch der italienischen Versicherung kommt, um Fotos zu machen. Ich bekomme einen Ersatzwagen für die Zeit der Reparatur, die immerhin fünf Tage dauert und als ich mein Auto wieder abhole, da ist es beulenfrei, blitzblank geputzt, innen wie außen, sogar meine Scheinwerfergläser wurden neu poliert, also alles einwandfrei, fast wie neu.

Der letzte Anruf von Giuseppe war, dass der Anwalt der gegnerischen Versicherung noch die Versicherungsunterlagen von meinem Auto wollte, da sie sicher gehen möchten, dass mein Auto auch versichert ist. Es ist leider immer noch ein großes Problem, dass viele Autos in Italien nicht versichert sind und man dann bei einem Unfall auf den Kosten sitzen bleibt.

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