Für Freunde mit einem ausgeprägten Gespür und Interesse für Ästhetik und Kultur ist diese Wallfahrtskirche in Custonaci ein MUSS.
Eigentlich komme ich nur durch puren Zufall an der Wallfahrtskirche vorbei, denn eigentlich war mein Plan ein ganz anderer gewesen. Aber angezogen durch die beeindruckende Fassade der Kirche, steige ich die vielen Treppen zur Kirche hoch.
Draußen an die 40 Grad und drinnen angenehm kühl. Schon beim Eintreten wird man von einer monströsen Macht überrollt, die die Wallfahrtskirche ausstrahlt. Die hohen Säulengänge und die überladene Ausstattung. Hier gibt es keinen Quadratzentimeter Putz, nur Marmor, Stuck und Kunst.
Ich weiß ja, dass Sizilien reich an Kulturstätten ist, aber das hätte ich in so einem verschlafenen Dorf wie Custonaci nicht erwartet. Die Wallfahrtskirche wurde im 16. Jahrhundert durch die Umgestaltung und Erweiterung einer bereits bestehenden Kapelle errichtet. Damals was die Kapelle vermutlich genau richtig für den Hügel. Heute füllt die Kirche den Platz komplett aus.
Die Umbauten durchlaufen viele Epochen und verleihen der Kirche einen Stilmix
Da die Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte mehrere Umbauten erfahren hat. Stammen die Dekorationen, Fresken und Anbauten wie die Seitenschiffe aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es Gotische und barocke Einflüsse in der Kirche gibt. Eindeutig der Spätgotik zuzuordnen sind die Fassade mit dem Rosettenfenster über dem Portal und die Spitzbögen im Inneren der Kirchenschiffe.
Es wurde beim Umbau auch nicht an Prunk gespart, denn schon das gigantische Tor aus Walnussholz, ließe sich von einer einzelnen Person vermutlich gar nicht öffnen. Deshalb gibt es im Tor, noch eine kleine Türe.
Barocke Elemente findet man hingegen beim Hochaltar und bei der mehrfarbigen Marmortribüne die aus dem 17. Jahrhundert stammt, sowie die reichen Verzierungen und Fresken aus dem 18. Jahrhundert.
Es gibt sind viele Kunstwerke von namhaften Künstlern zu bestaunen, wie zum Beispiel das Gemälde “Virgo Lactans”, Holzstatuen von Pietro Calamela, Fresken von Domenico La Bruna und noch viele Weitere.
Über die Sakristei erreicht man das kircheneigene Museum. Hier werden wertvolle Ex-Voto-Gaben, historische liturgische Bücher sowie ein weiteres Gemälde der Madonna auf dem Thron aus dem Jahr 1541 aus der Werkstatt von Antonello Crescenzio ausgestellt.
Es wird jedoch empfohlen, für den Besuch des Museums einen Termin zu vereinbaren. Denn ausgerechnet als ich die Kirche betrete, sitzt der Pfarrer mit einer Ratsuchenden in einer der Kirchenbänke und unterhält sich flüsternd. Es war also angebracht weder mit fotografieren zu stören, noch zu fragen, ob man das Museum besichtigen darf.










Die Seefahrer-Legende
Ende August findet alljährlich ein Fest zu Ehren der heiligen Maria statt. Bei diesem Fest wird neben der Ehrung der Maria auch die Legende am Leben gehalten, die zur Erstellung der Wallfahrtskirche beigetragen hat.
Die Legende besagt, dass ein Schiff, man weiß nicht mehr genau, ob französisch oder venezianisch, ein wertvolles Marienbild transportierte. Als das Schiff in Seenot geriet, gelobt die Besatzung, das Bild dort an Land zu bringen, wo sie gerettet würden. Das war in der Buch Cala Buguto, welche sich in Cornino befindet.
Damit das Bild keinen Schaden nimmt, wurde es in die kleine Kapelle gebracht, die sich auf dem Hügel von Custonaci befindet.
Der tief verwurzelte Marienkult in der Region hat dadurch Ströme von Pilger angezogen, weshalb aus der kleinen Kapelle über die Jahrhunderte eine Wallfahrtskirche erwuchs.
Bei dem alljährlich stattfindenden Fest wird die Szene nachgestellt, wie bei Dunkelheit das Bild mit einem Boot an Land gebracht wird. Begleitet von Fackeln und Feuerwerk.