Die Straße nach Mozia

Einst konnte die Punische Straße nach Mozia mit Karren befahren werden. Heute existiert sie nur noch unter Wasser.

In Marsala gibt es eine 2.600 Jahre alte Straße, die man heute nur noch mit Taucherbrille erkunden kann.

Sie ist keine Ruine, kein Wrack, das auf dem Meeresgrund liegt. Es ist eine echte, 1.715 Meter lange Straße, erbaut von den Phöniziern, als Rom noch eine kleine Stadt in Latium war und Athen seine Blütezeit erlebt.

Die Straße beginnt am Nordtor von Mozia und führt direkt nach Sizilien. Auch heute noch.

Die Insel Mozia war eine der wichtigsten Städte im westlichen Mittelmeer. Die Insel in der Stagnone von Marsala, geschützt durch flaches, ruhiges Wasser, war ideal für Händler, die das Meer von einem Ende der Welt zum anderen Ende überquerten.

Die Phönizier waren keine Eroberer im klassischen Sinne. Sie waren Seefahrer, Händler und Netzwerkbauer. Und als sie beschlossen, ihre Stadt mit dem Festland zu verbinden, organisierten sie nicht nur Fähren. Sie bauten eine Straße, eine richtige Straße.

Breit genug, dass zwei Karren gleichzeitig passieren konnten. Gepflastert mit Kalksteinplatten. Geschützt von niedrigen Mauern. Solide genug, um 26 Jahrhunderte Geschichte zu überdauern.

Stellt man sich den täglichen Verkehr vor, Karren, beladen mit Amphoren, Händler, Handwerker, Boten, Vieh. Alles zog über diesen Streifen aus Stein, der die Lagune wie eine Brücke überspannte.

Etwa einen halben Kilometer von der Stadt entfernt verbreiterte sich der Weg zu einem kleinen Platz. Archäologen diskutieren noch immer über seine genaue Funktion. Vielleicht war es ein Rastplatz, es könnte auch ein Kontrollbauwerk gewesen sein.

Das Meer, das die Straße verschluckt

Dann kam mit der Zeit etwas, dass die Straße unbefahrbar gemacht hat. Es war weder ein Krieg, noch ein Erdbeben oder eine andere Katastrophe. Es war die Natur, die sich ausgebreitet hat; es war das Meer, das Jahr für Jahr und Jahrhundert für Jahrhundert sich über viele Generationen hinweg immer weiter ausgebreitet hat.

Der Wasserspiegel verändert sich langsam. So langsam, dass es in einem einzigen Menschenleben niemand hätte bemerken können. Doch die Natur denkt in Jahrtausenden und schließlich verschwindet die Straße.

Heute liegt sie unter der Oberfläche der Stagnone wie eine perfekt erhaltene Narbe. An klaren Tagen zeichnet sich ihr Profil unter Wasser ab wie ein geometrischer Schatten, unverkennbar von der Natur. Über Satellit immer noch erkennbar als hellen Streifen auf dem Grund der Stagnone.

Das Erstaunliche ist, dass wir nicht von ein paar verstreuten Steinen sprechen. Wir sprechen von einem Bauwerk, das seinen Verlauf bewahrt hat und heute noch so aussieht wie damals. Sogar die Spuren von Wagenrädern, die sich in den Stein gefressen haben, sind an manchen Stellen noch zu sehen.

Als Archäologen den Weg dokumentieren, finden sie keine vom Meer zerstörte Straße. Sie finden eine vom Meer verborgene Straße. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Denn normalerweise stellen wir uns die Vergangenheit als etwas Zerfallendes vor.

Mozia erzählt die gegenteilige Geschichte. Manchmal verschwindet die Geschichte nicht. Sie bleibt genau dort, wo sie war. Sie wartet nur darauf, dass jemand genauer hinschaut.

Vielleicht schnappen Sie sich bei Ihrem nächsten Besuch in der Stagnone Ihre Taucherbrille und machen sich selbst auf den Weg, um die Straße nach Mozia zu erkunden.

Ich habe die Fotos von einem Segelboot aus gemacht, von der Straße, die nach 26 Jahrhunderten immer noch da ist.

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