Wallfahrtskirche Santo Padre delle Perriere in Marsala. Versteckt und trotzdem häufig besucht, eine kleine Wallfahrtskirche in Marsala.
Wie alle Wallfahrtskirchen hat auch diese Kirche ihre Geschichte und einen Grund, warum Menschen an diesen Ort pilgern.
Die Legende
Um zu verstehen, wie die Umgebung beschaffen ist, muss man wissen, dass es sich hier um einen Steinbruch handelt. Das Hinterland von Marsala ist bekannt für den Abbau von Tuffstein und die Gegend ist übersät mit Steinbrüchen.
In einer dieser Felshöhlen, die durch den Abbau von Tuffsteinen entstehen, handelt die Legende aus der Mitte des 18. JH. Sie besagt, dass einmal ein Hirte in einer Höhle Schutz für die Nacht sucht. Seine Nachtruhe wird aber auf unerklärliche Weise von mysteriösen Wesen gestört. So flieht er, von Angst getrieben, des Nachts wieder aus der Höhle. Als er am nächsten Tag mit den Einwohnern des sich in der Nähe befindlichen Ortes zurückkehrt, finden sie eine Statue des Heiligen Franz von Paola vor.
Ein Wallfahrtsort entsteht
Nach und nach pilgern immer mehr Gläubige und Ratsuchende zur Höhle. Der fromme Bauer Agostino Montalto lässt die erste kleine Kirche bauen, nachdem er ein Gelübde an den Heiligen Franz von Paola abgegeben hat.
In den folgenden Jahren wird der Steinbruch, auch durch Grundstückspenden umliegender Eigentümer, immer mehr erweitert und es entsteht eine kleine Parkähnliche Anlage, die heute mit Toiletten, einem Altar und weiteren sakralen Monumenten ausgestattet ist.
Die Entstehung des Namens
Der Name „Santo Padre delle Perriere” (Heiliger Vater der Steinbrüche) leitet sich aus der Umgebung ab. Der Tuffstein wird in der Umgangssprache auch “perriera” genannt. Somit wird der Ort mit dem Heiligen Vater, der mit der Erde und den Steinen verbunden ist, benannt.
Der Kult hält weiter an
Man glaubt es kaum, aber auch heute noch zieht es junge Menschen zu diesem Ort, um Buße zu tun oder um einen Wunsch zu bitten. Immer wieder höre ich von jungen Menschen, dass sie nach “Santo Padre” pilgern, da sie ein Problem haben und um eine Lösung dafür bitten möchten. Dies tun sie aber nicht wie einen Spaziergang, nein, bei dieser Pilgerreise läuft man barfuß oder maximal auf Socken.
Es ist Jahre her als ich in Mazara del Vallo abends in einem Restaurant sitze und eigentlich etwas essen will. Bis plötzlich ein paar Menschen auf Strümpfen an unserem Tisch vorbeilaufen. Es werden immer mehr und mehr, die alle den Rosenkranz betend und an uns vorbeiziehen. Als ich nachfrage, was die hier tun, wird mir gesagt, dass es das Fest des “Santuario del Santo Padre delle Perriere” ist und die Menschen von der Grotte in die Stadt zur Kathedrale pilgern.
Inzwischen gibt es vor der Wallfahrtsstätte einen großen Parkplatz, der extra für die Busreisenden und die zahlreichen Besucher eingerichtet worden ist, um dem Andrang Herr zu werden.
Den Weg nach Lourdes kann man sich also sparen, einen heiligen Ort gibt es auch auf Sizilien.











