Mein langer Weg zur Hausnummer

Vor ein paar Monaten war mein Haus noch im Rohbau, aber Strom hatte ich bereits. Da mir der Stromlieferant auch eine Rechnung schicken wollte, aber der Zusteller mich nicht fand, bekam ich monatlich ein Email mit der Aufforderung meine Adresse richtig zu stellen.

Als ordentliche Deutsch-Italienerin wollte ich mich auch brav anmelden, damit dass alles seine Ordnung hat – dachte ich zumindest, aber dann ging das Drama los!

Auf dem Rathaus sprach ich mit der zuständigen Dame, die Anmeldungen machte. Ich erklärte ihr, dass ich mich anmelden wolle. Ich sagte ihr auch für welche Adresse und gab ihr meinen italienischen Personalausweis. Den schaute sie sich genau an und ging damit zu ihren drei Kolleginnen ins Nebenzimmer. Die schienen gerade beim „Kaffeekränzchen“ zu sein, unterbrachen freundlicherweise kurz und alle kamen zu dem Schluss, dass ich mich ohne Hausnummer nicht anmelden könne. Ich muss also erst zum Kollegen und eine Hausnummer beantragen.

Beim Kollegen angekommen, wollte dieser von mir die notarielle Kaufurkunde des Hauses. Das fand ich schon mal sehr komisch. Denn ich sollte schließlich nachweisen, dass das mein Haus ist und ohne kann ich keine Hausnummer beantragen. Er fragte, ob ich denn schon in dem Haus wohne. Ich sagte ihm, dass ich noch nicht drin wohnen könne, da das Haus noch zu renovieren sei. Seine Antwort war prompt: Wenn mein Haus Fenster und Türen habe, dann könne er für mich eine Hausnummer aus den Lageplänen herausfinden, ohne ginge das nicht. Das verstand ich zweimal nicht! Das Haus steht schon seit Hunderten von Jahren auf diesem Fleck und ist vermutlich schon seit dem Beginn von Aufzeichnungen von Lageplänen in diesen verzeichnet! Ist ein Haus ohne Fenster und Türen noch kein Haus?

Haus oder nicht Haus, dass war für mich die Frage?

Ist ein Haus ohne Fenster und Türen zum öffnen nun ein Haus?

Auch wenn hier nichts nach Gesetzen geht, aber wenn’s denn bequem ist, dann zieht man doch gerne ein Gesetz her und das wollten angeblich die gesetzlichen Vorschriften so, nämlich Fenster und Türen. Aber, um überhaupt eine Hausnummer zu bekommen, auch wenn dann Fenster und Türen drin sind, muss ich erste ein Protokoll schreiben!

Inzwischen bin ich im Keller angekommen, dort ist das Zimmer der Protokoll-Dame. Wenn man also irgendetwas im Rathaus will, dann muss man das schriftlich machen. Ganz egal, ob auf einem Schmierzettel oder fein säuberlich ausgedruckt, hier schreibt man sein Anliegen auf und gibt es dieser Dame. Sie wiederum scannt es ein und man erhält eine Protokoll-Nummer. Diese muss man dann immer vortragen, wenn man wegen genau diesem Anliegen aufs Rathaus geht. So kann der zuständige Sachbearbeiter an Hand der Nummer das Problem aus dem Rechner ziehen und auch wieder dorthin zurück legen, je nach Lust und Laune.

Als ich dann endlich im Haus eingezogen bin, fällt mir wieder mein Hausnummernproblem ein und das damit verbundene Procedere. Man kann mir glauben, dass ich so überhaupt keine Lust hatte nochmal aufs Rathaus zu gehen. Also mache ich einen Spaziergang um meine Nachbarhäuser und will mal nachsehen, was die denn so für Hausnummer haben. Das nächste Haus nach meinem hat die Nummer 155 sofort danach kommt die Nummer 210, danach 162 und 163. Die nächsten 4 Häuser haben gar keine Nummer, dann kommt ein Haus mit der Nummer 138. Schlussendlich ist es mir nicht gelungen ein System zu erkennen.

Aber was will man sagen, der Ingenieur sagte zu mir, von 1.000 Häusern hier (es gibt hier keine 1.000 Häuser) ist eins davon mit 100%igen regulären Papieren (also meins), die anderen sind unerlaubt gebaute Häuser. Aha!

Und jetzt, was macht nun eine ordentliche und praktisch veranlagte Deutsche? Sie geht zum Baumarkt, lässt sich ein Brett zuschneiden und schreibt da drauf die Straße und eine Zahl. Bohrt vier Löcher ins Brett und drahtet es am Strommasten an der Straße fest. So, fertig!

So sieht nun also mein selbstgemachtes Straßenschild aus.

Was soll ich sagen, meine Bestellungen kommen ohne Probleme an und das ist dass was zählt. Der Paketdienst ruft immer vorher an wenn er das erste Mal kommt und fragt, wo denn die 170 wäre, denn hier sind alle Hausnummer so durcheinander, da weiß man gar nicht wo hin fahren. Ja, meine Hausnummer ist neu, ich wohne noch nicht so lange hier und wenn ich ihnen meine Story erzähle, dann sagen sie nur: „Das hast du gut gemacht!“

Besuch aus dem Rathaus erwarte ich nicht und will ich auch gar nicht haben. Alle Anderen finden mich 🙂

Keiner hätte es geglaubt, aber das ist es nun, mit Fenstern und Türen…

Mein Haus in seiner ganzen Pracht!

 

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