Auswandern und dann? Ein Rückblick.

Auswandern und dann? Ein Rückblick. Wer ausgewandert ist, ist vielleicht an seinem Ziel angekommen, aber noch nicht am Lebensende, und dann?

Es ist einfach verrückt, wie die Zeit vergeht. Mein letzter Rückblick ist nun schon drei Jahre her und wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Nach drei Jahren muss auch ich, der Autor dieses Berichts, noch einmal nachlesen, was ich da so geschrieben habe. Ergebnis: Ich kann alles bestätigen und dem ist nichts hinzuzufügen.

Tja, frage ich mich, was jetzt? Ich kann ja nicht nochmal das Gleiche schreiben. Es stimmt ja alles und es hat sich auch nichts geändert. Daher werde ich in diesem Rückblick etwas näher auf meine Selbstständigkeit eingehen, denn wer auswandert, ist vielleicht an seinem Ziel angekommen, aber nicht an seinem Lebensende. Irgendwas geht da noch.

Mut zur Selbstständigkeit ist nicht die alleinige Basis

Bei wem das Ziel die Auswanderung ist, der vergisst oft, dass danach zwar das Ziel erreicht ist, aber das Leben ist noch nicht vorbei. Also muss da noch was kommen, um zum erreichten Ziel auch die Zufriedenheit zu erlagen. Bei mir gehört da Arbeit dazu. Nur faul herum fläzen ist für mich viel zu langweilig.

Also begebe ich mich in die Selbständigkeit – wenn schon, denn schon! Zugegeben, ein bisschen Mut gehört schon dazu, wenn man sich selbstständig machen möchte. Es spielt keine Rolle, ob man sich im eigenen Land, oder im Ausland selbständig machen will. Mut ist die Basis und leider gehört auch ein bisschen Geld zur Basis. Der größte Unterschied zwischen selbstständig im eigenen Land und im Ausland ist die Sprache.

Man kann sich vielleicht auf Mallorca auch ohne Fremdsprachenkenntnisse selbstständig machen, aber in Italien und insbesondere auf Sizilien funktioniert das nicht. Sizilien ist viel größer und die deutschen Auswanderer hocken nicht so nah beieinander wie auf Mallorca. Außerdem sind Sizilianer nicht besonders daran interessiert, eine Fremdsprache zu lernen, selbst die jungen Sizilianer nicht. Also bleibt nichts anderes übrig, als selbst die Sprache zu lernen, um damit auch einen ganz anderen Zugang zu den Sizilianern zu bekommen. Denn, die Sprache dient nicht nur zur Verständigung, und ist nicht nur ein wichtiger Teil der Basis, sondern auch für das Ankommen und das Wohlfühlen in einem fremden Land.

Nichts ist so wie in Deutschland

Wenn also die erste Hürde der Sprache genommen ist, dann kann man sein Business anmelden. Wie, das kommt ganz auf den Bereich an. Im Prinzip ist es egal, ob man sich in der Immobilienbranche oder dem Handwerk oder sonst wo selbständig macht. Eins ist klar, es läuft in jedem Fall anders als in Deutschland und nochmal anders als man denkt. Wie die Gepflogenheiten sind, muss man lernen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sizilianer doch ein Fitzelchen mehr Schlitzohren sind, als die Deutschen. Sie machen das auf eine sympathische Art und Weise, aber sie versuchen es und sie versuchen es ziemlich oft. Wenn man sofort dahinter kommt, dann diskutiert man sofort, wenn nicht, dann muss man diese Erfahrung vermutlich unter Lehrgeld verbuchen. Wie immer halt.

Wer sich im Handwerk selbständig machen möchte, der sollte nicht vergessen, das der Stundenlohn wesentlich niedriger ist, als in Deutschland. Dafür verdienen die Mitarbeiter auch wesentlich weniger als in Deutschland.

Der „Deutschen“ Bonus

Sizilianer sind lockerer als Deutsche, wir nennen das im Urlaub „dolce vita“. Im Leben kann diese Lockerheit aber manchmal ziemlich nervend sein. Termine vereinbaren läuft auf Sizilien in etwa so unzuverlässig ab wie in Deutschland. Aber eins haben die Deutschen den Sizilianern noch voraus, dass ist der gute Ruf. Die Deutschen gelten auf Sizilien als zuverlässig, ehrlich, arbeitsam und zielorientiert. Das sind gute Voraussetzungen, um ins Geschäft zu kommen. Sizilianer sind sehr freundlich und sagen Termine zu, auch wenn sie nicht vorhaben zu kommen, denn sie möchten nicht unhöflich sein.

Ich hatte zuerst auch Bedenken bei meinem Immobilienbusiness, ob ich als Deutsche überhaupt zum Zug komme. Aber inzwischen ist es so, wenn die Eigentümer hören, das ich Deutsche bin und mein Geschäft in Deutschland habe, dann bekomme ich den Auftrag und die sizilianische Immobilienagentur nicht. Klar, auch ich verkaufe nicht alle Immobilien, aber ich bemühe mich ehrlich und versuche mein Möglichstes. Ich habe die sizilianischen Immobilienmakler auch schon getestet und bin sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, denn ihre Arbeitsweise kommt mir sehr zugute.

Diebstahl

Ich muss noch abschließend auf das Thema Diebstahl zu sprechen kommen. Oft werde ich gefragt, wie das denn mit dem Diebstahl auf Sizilien ist. Denn Diebstahl betrifft nicht nur Immobilienkäufer, Diebstahl betrifft auch Selbständige.

Kein Maurer lässt sein Handwerkszeug auf der Baustelle liegen, wenn er Feierabend macht. Also da gibt`s nichts schön zureden.

Es ist fraglich, was in Deutschland noch besser ist als auf Sizilien. Denn, neulich zum Beispiel, war ich in Deutschland im Krankenhaus und die Reinigungsfrau erzählt mir, dass die Leute klauen ohne Ende und ohne Skrupel. Da werden die bereitgestellten Kinderwagen auf der Kinderstation einfach geklaut. Da setzt jemand sein Kind hinein und fährt damit einfach aus dem Krankenhaus, diese Vorstellung habe ich bis heute noch nicht verdaut. Das Klopapier wird mit dem Schlafanzug am Entlasstag eingepackt und mitgenommen. Spezielle Kopfkissen werden geklaut und dann wundert man sich, warum die Kassenbeiträge steigen. Im Grunde wird alles, was nicht Niet- und Nagelfest ist, gemopst. Wohlgemerkt, das Klopapier ist im Krankenhaus 2-lagig!! Beim Klopapier frage ich mich inzwischen schon, welches Trauma haben die Deutschen mit dem Klopapier eigentlich erlitten?

Dann war ich bei REWE und habe gefragt, ob es denn keine Einkaufskörbe mehr gibt. Die Kassiererin sagt, dass die ständig geklaut werden und ihre Chefin die Einkaufskörbe nicht mehr ersetzen wird. Was macht man mit den Einkaufskörben eigentlich nach dem Einkauf, das ist mir auch noch nicht klar geworden!

Ergo, in Deutschland ist es keinen Deut besser als auf Sizilien, nur der Ruf ist es noch. Na, dann warten wir mal ab, wie lange noch.

Fazit

Ich für meinen Teil bin sehr froh auf Sizilien zu arbeiten und bereue es bisher keine Minute, auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber wie heißt es so schön, hinfallen – aufstehen – Krone richten und weiter laufen.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern und Kunden schöne Feiertage und einen super guten Start ins Neue Jahr 2024 und immer den Mut, etwas Neues anzufangen. Das Leben ist zu kurz, um auf der Stelle zu treten.

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