Auswandern nach Sizilien – ein Rückblick

Auswandern nach Sizilien – ein Rückblick

Der Jahreswechsel bietet sich geradezu an, um einmal einen Rückblick auf das eigene Leben zu machen und zu schauen, wo man im nächsten Jahr eventuell nachjustieren muss. Inzwischen sind wieder ein paar Jährchen vergangen als ich ein Resümee über das erste Jahr auf Sizilien geschrieben habe. Deshalb werde ich den Jahreswechsel nutzen, um noch einmal einen Rückblick auf mein Auswandern nach Sizilien zu machen.

In meinem ersten Resümee habe ich geschrieben was mir nicht gefällt und was mir gefällt. Im großen und ganzen ist das auch so geblieben. Die Schlaglöcher sind noch da, der Müll liegt noch herum und die Unpünktlichkeit von manchem Sizilianer steckt immer noch in seinem Fleisch und Blut. Das Essen ist auch noch unverändert lecker, die Landschaft ist noch genau so faszinierend und auch die korrupten Lokalpolitiker gibt es noch, obwohl ihre Zahl täglich schwindet, da immer mal wieder einer hinter Gitter kommt.

Da sich im Grunde nicht viel verändert hat, will ich heute einmal schreiben, wie es mir in dieser Zeit ergangen ist und was ich dazu gelernt habe beim Thema auswandern.

Auswandern nach Sizilien – ein Rückblick

Ich habe ein Haus renoviert – natürlich mit Hilfe meiner Maurer. Ja, es wurden tatsächlich meine Maurer! So zuverlässig, dass war ganz unerwartet für mich und die Qualität der Arbeit die sie abgeliefert haben ebenso. Das hätte ich wirklich nicht gedacht, es war eine tolles Aha-Erlebnis in diesem Bereich. Ich habe das Haus zwischenzeitlich zwar wieder verkauft, weil ich nun genau weiß, wie für mich ein Haus sein muss damit es perfekt ist, will heißen, ich kenne inzwischen die für mich absolut wichtigen Eigenschaften eines Hauses auf Sizilien. So als Greenhorn kann man sich da schon blenden lassen, oder auch aus Unwissenheit so manchen Fehler begehen, den man beim zweiten Mal nicht mehr tun wird. Die Unwissenheit rührt aber nicht vom Haus her, sondern ein Wohnen am Meer ist etwas grundlegend anderes als ein Wohnen in einem Dorf oder Stadt in Deutschland. Da liegen wirklich Welten dazwischen.

Und plötzlich bin ich selbständig

Aus der Aktion „Hausverkauf“ ist etwas Neues entstanden und zwar „Ich werde Immobilienmaklerin“. Ich hatte große Bedenken, nicht deswegen, dass ich mir das nicht zutraue. Nein. Meine Maklererlaubnis habe ich bereits seit über 30 Jahren. Ich hatte Bedenken, dass sie Sizilianer einer Deutschen ihr Haus nicht zur Vermittlung geben. Aber da habe ich mich sehr getäuscht. Inzwischen ist es so, dass Leute an mein Fenster klopfen und sagen: „Ich habe gehört, dass du Häuser verkaufst.“ oder sie rufen mich an und bieten mir ihr Haus an. Auch andere Immobilien Agenturen wollen mit mir kooperieren. Es ist wirklich verrückt! Aber woher kommt das Vertrauen? Ganz einfach, wir Deutsche haben den Ruf das wir zuverlässig und akkurat sind. Außerdem sprechen wir deutsch was Sizilianer nach wie vor selten tun.

Nun bin ich also stolze Inhaberin der Immobilien Firma „Sizilien Immobilien„. Ich habe Partner auf Sizilien, die nach wie vor meine besten Freunde sind und auf die ich mich zu 100% verlassen kann. Meine Firma habe ich in Deutschland angemeldet, es ist wesentlich einfacher eine Firma in Deutschland zu gründen als in Italien. Dazu kommt noch, dass die Steuerlast in Italien wesentlich höher ist als in Deutschland.

Familie und Freunde

Was gibt es sonst noch zu berichten? Ich kann Auswanderern nur raten, bevor sie sich irgendwo fest niederlassen, sich zuvor ein soziales Netz aufzubauen. Wer also vor hat nach Sizilien auszuwandern, der kann sich dort natürlich ein Haus kaufen, aber bevor er sich für immer niederlassen will, sollte er die Jahre zuvor dort Urlaub machen. In dieser Zeit kann er sich ein soziales Netz aufbauen, dass geht nur, wenn man immer wieder an den gleichen Ort kommt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass auch die Sprache ein wichtiger Aspekt ist, um sich gut einleben zu können. Ohne Verständigung kann man kein soziales Netz aufbauen, ohne soziales Netz findet kein Einleben in eine Gesellschaft statt.

Wer seine Heimat verlässt, der lässt auch Familie und Freunde zurück und Telefongespräche können das nicht ersetzen. Hat man jedoch ein paar gute Freunde auf Sizilien, dann fällt die Trennung von Familie und Freunde nicht ganz so schwer. Außerdem ist es ganz wichtig, die Sprache schon vor der Auswanderung zu lernen und nicht erst wenn man dort ist. Sizilianer sind nach wie vor zu faul eine Fremdsprache zu lernen und ich kann ein Lied davon singen, wie man sich fühlt, wenn man sich nicht richtig artikulieren kann.

Ich fühlte mich immer wie ohnmächtig wenn ich mit meinem Freund eine Auseinandersetzung hatte. Wenn man sich mit Worten nicht wehren kann, dann ist das wirklich übel. Wenn er fortlaufend palaberte und palaberte, ich hatte es zwar verstanden, aber ich konnte mich nicht so ausdrücken wie ich wollte, dass hat mich noch zusätzlich zur Weißglut gebracht. Ich fühlte mich regelrecht ausgeliefert. Das sind zwar Situationen, die einem die Sprache schneller beibringen als jeder Sprachkurs, wenn man denn durchhält. Trotzdem habe ich mir damals gewünscht, besser italienisch zu sprechen. Heute überlegt sich mein Freund sehr gut, ob er sich mit mir anlegt.

Noch ein Tipp

Ein anderer wichtiger Auswanderer-Tipp wäre dann noch die Freizeitgestaltung. Wer noch etwas jünger ist, dem kann ich nur raten, sich eine Beschäftigung mitzubringen. Sei es ein Hobby, ein Handwerk, einen Online-Job, eben einfach etwas, dass man von oder auf Sizilien machen kann. Man stellt sich zwar vor, wenn man aus einem stressigen deutschen Arbeitsleben nach Sizilien kommt, dass man dann „nur noch“ auf seiner Veranda sitzen und aufs Meer hinausschauen möchte. Das mag in der ersten Zeit auch richtig und gut sein, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, Leute, dass wird ganz schnell langweilig!

Irgendwann ist das Haus eingeräumt, der Garten auf Vordermann gebracht und die Insel im eigenen Dunstkreis erkundet. Vor allem hat man genug Cappucino und Wein auf der Veranda getrunken, Bücher über Sizilien* gelesen und das Meer angestarrt. Die Freunde wollen keine tollen Bilder vom Sonnenuntergang mehr sehen, schließlich wurden sie ständig mit ach so tollen Fotos zugemüllt. Nun will man aktiv werden und das geht am Besten, wenn man vorbereitet ist. Der Mensch braucht nicht nur im Wohnen und Essen Erfüllung, sondern auch im Tun.

Irgendwann hat man sich in die Insel verliebt

Was ich sehr zu schätzen gelernt habe, dass ist die Tatsache, dass Sizilianer fast alles wiederverwerten. Abgesehen von den Plastikartikeln die kein hohes Ansehen genießen und daher leider zu oft am Straßenrand landen. Das Beste Beispiel ist das Auto. Man bestellt nur in dem Fall ein neues Ersatzteil, wenn es wirklich nicht anders geht oder es keinen Sinn macht. Aber ansonsten geht man zum Schrotthändler und holt das Ersatzteil dort. Meine Lichtmaschine war kaputt, jeder weiß, dass wird teuer. Aber nicht auf Sizilien. Auf dem Schrottplatz kostet die Lichtmaschine 15 € und das rein bauen nochmal 15 €. Das finde ich wirklich eine gute Sache und ich finde es auch klasse, dass die Mechaniker immer sagen, wenn man das Teil auf dem Schrottplatz holen soll, oder wann neu kaufen mehr Sinn macht.

Was ich an den Sizilianern auch liebe, dass ist ihre kämpferische Art. Sie lassen sich nicht so schnell etwas diktieren oder einschüchtern, egal von wem. Sie erinnern mich immer etwas an das kleine gallische Dorf bei Asterix & Obelix* – die Unberechenbaren. Ich finde es immer wieder toll mitzuerleben, wenn in der Politik etwas Neues bestimmt wird. Zuerst wird diskutiert, dann lammentiert und zum Schluss vorsichtshalber abgelehnt. Es ist für die Politiker wirklich schwierig etwas durchzusetzen. Sizilianer haben die Courage sich zu widersetzen und nicht alles mit sich geschehen zu lassen und sofort Ja und Amen zu sagen.

Gut zu wissen…

Ein Sizilianer sagte einmal zu mir: „Man braucht zwei Jahre um sich in Sizilien und das Leben hier zu verlieben und dann will man nicht mehr weg.“ Und wirklich, ich habe die Sizilianer mit den Jahren wirklich schätzen und lieben gelernt. Mit all ihren Ecken und Kanten ist es ein liebenswertes und sehr hilfsbereites Volk. Ich würde nicht nach Mallorca in eine deutsche Enclave auswandern wollen, ein bisschen Auswandererfeeling gehört schon zu einer Auswanderung* dazu.

So pendel ich nun auf Grund meiner Geschäfte hin und her. Ich freue mich dann auf Familie und Freunde in Deutschland und habe bei der Rückreise immer das Gefühl, dass ich nach Hause fahre.

…und zum Schluss

Wer sich auch mit dem Gedanken trägt nach Sizilien auswandern zu wollen und noch Fragen dazu hat, der kann sich gerne melden. Wenn ich helfen kann, dann werde ich das tun.

In diesem Sinne, wünsche ich meinen Lesern einen guten Start ins neue Jahr und seien Sie ruhig ein bisschen verrückt. Das Leben ist zu kurz, um nur in Deutschland zu hocken 🙂

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